Die Stadt Wien hat Anfang Februar 2026 eine Studie zur Analyse von Schulvorplätzen an allen 316 Wiener Volksschulen veröffentlicht. Dabei wurde ein Vergleich mit Erhebungen zu Schulvorplätzen von 2021/22 mit jenen aus 2025 angestellt.
Das Fazit der Stadt Wien:
“Der Vergleich mit der Erhebung aus dem Jahr 2021/2022 zeigt in nahezu allen untersuchten Kriterien Verbesserungen. Das zeigt deutlich die Bemühungen der Stadt Wien, Schulumfelder stetig qualitativ zu verbessern.
Wir sagen:
In dem Tempo dauert es 55 Jahre, bis alle Kinder in Wien einen sicheren und autofreien Schulvorplatz haben!
Unsere Urenkelkinder können sich freuen!

Sind die Bemühungen der Stadt also ausreichend, um die Wiener Schulumfelder wirklich zu verbessern?
Was bedeutet eine “stetige qualitative Verbesserung” im Detail?
Wir haben uns das genau angeschaut:
Dazu muss mensch wissen: Schulvorplätze können ganz unterschiedlich aussehen. Viele Schulvorplätze in Wien sind nicht mehr als ein Gehsteig, der zur Schule führt. Vor dem Schultor und zur Abgrenzung zur Fahrbahn befindet sich ein Zaun – in der Fachsprache: “Prellgitter” – damit die Kinder bei Unterrichtsende nicht aus der Schule hinaus auf die Straße stürzen. Unsere Forderung entspricht einer großen, sicheren und angenehmen Fläche vor der Schule, etwa einer Straße, die vom Autoverkehr befreit ist.
Im Bericht werden fünf verschiedene Typen von Schulvorplätzen unterschieden:
- Jene die nur einen Gehsteig (inklusive Prellgitter) haben – das sind Stand 2024/25: 114
- Jene mit längerem Zugang (bspw durch den Schulgarten, ums Schulgebäude herum): 45
- jene mit einer platzartigen Situation vor dem Eingang: 49
- jene an einer Ecksituation: 11
- jene im Verbund- also speziell mit mehr Platz: 97
- hier wollen wir genau unterscheiden: vor der Schule mit Parkanschluss – 34 (wunderbar! zb. VS Schulgasse in 1180 Wien)
- mit Auto-freiem Straßenraum (temporär als Schulstraße oder permanent) – 39,
- mit Auto-freier Hofsituation – 13,
- mit einem Vorfeld vor der Schule – 11.

97 Schulen – von 316 – weisen also einen “halbwegs” sicheren und angenehmen Schulvorplatz auf. Alle anderen Schulen (219) können damit nicht aufwarten – haben diesen multifunktionalen “Freiraum” leider nicht.
Klar sind unsere Forderungen:
Schulen sollen permanente autofreie Schulvorplätze haben – damit dieser Raum den Kindern zu Gute kommt: als sicherer Ort für den Schulweg, als integrativer Kommunikationsort für Schüler:innen und deren Eltern, als erweiterter Klassenraum, als Repräsentationsort der Schule und als Freiraum für die notwendige Bewegung der Kinder.
Darum forderten wir gemeinsam mit Platz für Wien 2020:
350 Schulen (inklusive VS, MS, AHS) sollen einen autofreien Schulvorplatz bis 2030 haben! Alleine auf Volksschulen bezogen wären das mindestens 175 Autofreie Schulvorplätze vor Volksschulen bis 2030.
Unser Kritikpunkt 1:
2025 gibt es – laut Analyse – 97 autofreie Schulvorplätze – (alle Schulen aus der 5.Kategorie).
Das ist zwar eine Steigerung um 20% zu 2021, bedeutet aber: nicht einmal ein Drittel aller Volksschulen haben Autofreie Schulvorplätze!
In diesem Tempo dauert es 55 Jahre, bis alle Volksschulen Wiens einen sicheren, autofreien Schulvorplatz haben.
Von unserer Forderung nach 175 Autofreien Schulvorplätzen vor Volksschulen bis 2030 leider weit entfernt.
Kritikpunkt 2:
21 Schulen wurden umgebaut (zwischen 2021-2025) – 8 Schulen haben sich – trotz Umbaus – nicht verbessert und werden auch nicht nach Schulnote 1 beurteilt.
Wir fragen uns: Nach welchen Kriterien werden Schulen umgebaut? Warum gibt es keinen – “Da wollen wir hin-Plan” der Stadt Wien inkl. Verschlechterungsverbot, der bei jedem Umbau angewandt wird?

Kritikpunkt 3:
Schulen mit Anbindung an kinderfreundliche Radinfrastruktur:
Hier gab es + 7%-Punkte mehr in 4 Jahren (von 22% auf 29%) – 7 Volksschulen / Jahr an kinderfreundliche Radinfrastruktur angeschlossen. Wenn die Stadt Wien weiterhin nur 7 Volksschulen pro Jahr ans sichere Radverkehrsnetz anbindet, dauert das mit der jetzt fehlenden Anzahl von 223 Schulen noch 32 Jahre!
Kritikpunkt 4:
Die durchschnittliche Fläche pro Kind und Schulvorplatz ist im Schnitt von 2021 bis 2025 geringfügig gesunken, weil knapp 10.000 Kinder mehr in Wiens Volksschulen sind, als noch vor 5 Jahren. Die durchschnittliche Fläche eines Vorplatzes ist im Vergleich dazu um 20% gestiegen – weil mehr Schulen gebaut wurden.
Die neu gebauten Schulen, die eine große Vorplatzfläche dazu bekommen haben freuen sich natürlich darüber. Alle anderen Schulen gehen aber leer aus und haben eigentlich nichts davon.
An der steigenden Anzahl der Schüler:innen zeigt sich aber, dass es enormen Bedarf gibt, weitere Vorplätze autofrei zu schaffen, damit dieser Raum vielen Kindern täglich zu Gute kommt, anstatt wenigen Autos ab und zu.
Unser Fazit:
Ja, es geht in die richtige Richtung, aber zu langsam.
Die Stadt Wien sollte diese Analyse als Aufforderung betrachten, viel schneller an tatsächlichen Verbesserungen zu arbeiten, die einen “Da-wollen-wir-hin-Plan” verdeutlicht und darauf abzielt jedes Jahr vor zumindest 20 weiteren Schulen eine kinderfreundliche, also sichere und permanent Autofreie Situation zu schaffen, die eine Schulnote 1 verdient.
