Schmale Gehsteige? Wir wollen ein Foto davon!

Wer hat sich nicht schon über die Enge von Gehsteigen geärgert? Oder dass sie mit Hindernissen verstellt sind, die dort nichts verloren haben (Halteverbotstafeln, E-Tankstationen usw.)? Schick uns jetzt ein Foto davon – und wandle deinen Ärger in Aktionismus.

Fahrspuren und Parkstreifen haben festgelegte Breiten. Was dann noch vom Straßenraum übrig bleibt, wird zum Gehsteig. Dabei gehen fast alle Wiener*innen zu Fuß; und sei es auch nur bis zum Auto!

Was bislang ärgerlich und hinderlich war, wird in Zeiten von Corona zur Gefahr. Viele Menschen warten vor den Geschäften am Gehsteig. Abstandhalten ist auf schmalen Gehsteigen unmöglich. 38 Prozent der Wiener Gehsteige haben eine Breite von weniger als zwei Meter. Das muss sich ändern! Und zwar nicht irgendwann, sondern sofort!

Wir wollen deinen Ärger in Aktionismus umwandeln:

  1. Schick ein Foto an uns: foto@geht-doch.wien, oder
  2. auf der HP im Kontaktformular (hier weiter unten), oder
  3. per social media mittels Hashtags #LieblingsEngstelle, #WorstOfGehsteig, #ZuSchmal, #PlatzFürWien
  4. Unterzeichne  die Forderungen von #PlatzFürWien – und erzähle davon weiter!Wir sammeln alle Fotos, die bis Ende Mai 2020 eingelangt sind, und wenden uns damit an die verantwortlichen Stellen auf Gemeinde- und Bezirksebene.



Alle gesammelten Fotos findest du hier auf „worst-of-Gehsteig“.

Straßenraum will neu gedacht werden! Wir wollen Druck aufbauen, damit sich endlich etwas ändert und der Straßenraum gerechter und demokratischer verteilt wird.

geht-doch bei den City Talks

Die City-Talks Reihe wird von A city made by people in Amsterdam organisiert  und online abgehalten (in Englisch). Diesmal geht es darum unsere Mobilität nach Covid19 zu diskutieren und da ist geht-doch natürlich mit dabei und setzt sich auch international für die Anliegen und Bedürfnisse von zu Fuß Gehenden ein!

Die offizielle Beschreibung lautet:

„CITY TALKS is an ongoing series of online Live Q&A [Anm. Questions and Answers] featuring initiatives and topics from cities within our network.How will we cycle and walk in the new normal? How can we make more space for people to move comfortably in our cities? We’ve invited 3 initiatives that are working on these challenges due to the effects of the COVID-19 Corona measures.“

Schaltet euch dazu und stellt eure Fragen!

Link zur Teilnahme: https://www.acitymadebypeople.com/city-talks

Social Spots – es geht – trotz Covid19!

Als ich von der Idee erfuhr, dass jemand ein Social-Spot Meeting in Zeiten der Corona-Krise plant, das von Vorschriften und Social-Distancing geprägt ist, war ich einerseits etwas skeptisch, aber trotzdem neugierig.

Viele Ideen schossen mir durch den Kopf: kann das funktionieren? – wie soll das funktionieren? – darf das denn überhaupt sein?

Gespannt was mich da erwarten würde, begab ich mich zu dem vereinbarten Treffpunkt am Donaukanal, gleich gegenüber der Adria.

Meine Skepsis wuchs noch mehr als ich merkte, wie viele Menschen den wunderschönen Sonntag ausnutzten um sich im Freien zu bewegen – „wo bitte sollten da mehrere Menschen bei dem Fußgänger- und Radfahreraufkommen noch Platz finden und dann auch noch den bekannten 1m Sicherheitsabstand wahren…und dann auch noch sozial interagieren?“

Und da sah ich sie auch schon – Sophie, die ich von der Fußgängerinitiative geht-doch.wien kenne und ihre Freundin Mini – und beide sah ich, wie sie mit Kreide geometrische Figuren auf den Boden malten.

Hmm…sah ein bisserl nach Pentagramm aus…Treffpunkt eines Hexenclubs?

Nein, gar nicht (obwohl schade, ich wollte immer schon mal echte Hexen treffen) – aber wie mir Sophie erklärte, handelte es sich um gleichseitige Dreiecke die so angeordnet sind, dass in diesem Fall sich bis zu 12 Personen treffen können und sogar ein Mindestabstand von 2m zu jeder (!) Person eingehalten werden kann – einfach genial.

Und auch die Kommunikation funktionierte hervorragend!

Aufgrund der Anordnung der Dreiecke bekam man gleich mehrere Gesprächsinhalte unterschiedlichster Teilnehmer mit und konnte sich verschiedentlich bei anderen Themen einbringen.

Auch meine Befürchtung, dass sich das mit der notwendigen Größe nie ausgehen konnte, wurde zerstreut. Der Treffpunkt war nämlich optimal gewählt – aufgrund des vorhandenen Kai-Vorsprungs ging sich das alles trotz des starken „Freizeitverkehrs“ wunderschön aus, sodass niemand durch unseren Social-Point gestört oder behindert wurde.

Und außerdem wurden wir zu einem beliebten Fotomotiv! Viele blieben extra stehen und zückten ihr Handy, um ein Bild von der sich ihnen bietenden Szene zu machen – und das sogar von der nahen Marienbrücke!

Mein Resümee: ganz nach unserem Vereinsmotto „geht-doch!“ Denn gerade in speziellen Situationen sieht man, was alles geht!

Ich freu mich schon auf unser nächstes #SocialSpots-Treffen!

Blogbeitrag von Christian D.

 

 

Physical Distance aber Social Caring

Ein Plädoyer

Sprache ist tückisch, sie droht oft ein einseitiges Bild zu zeichnen. Deshalb plädiere ich für einen sorgsameren Umgang mit Sprache und letztendlich für einen wertschätzenderen Umgang mit sozialer Interaktion in Zeiten von COVID19 und danach.

„Social Distancing“, wie es von Anfang an von Seiten der Regierung eingefordert und auch von vielen Menschen praktiziert wurde, ist ein irreführender Begriff.

Ich selbst habe versucht mich so gut wie möglich daran zu halten.
Ich habe meine Sozialkontakte zurückgeschraubt – und zwar drastisch, als jemand der normalerweise ein sehr vielfältiges Sozialleben pflegt.

Anfänglich war es noch irgendwie aufregend über diverse Telekommunikationsapplikationen mit Freunden und Familie auf der ganzen Welt zu plaudern. Doch die Begeisterung daran schwand von Woche zu Woche. Und die Sehnsucht nach „echten“ Sozialkontakten stieg.

Doch aus geglaubtem Mangel an Alternativen zog ich mich immer mehr in mich selbst zurück. Während draußen die Sonne einen wunderbar warmen Frühling einläutete und dieser von unzähligen Familien im Park genossen wurde, fühlte ich mich zusehends isoliert – und damit stehe ich nicht alleine da.

Soziale Interaktion ist essentiell für unser Wohlbefinden und in vielen Fällen bekommen wir davon derzeit nur ein absolutes Minimum. Der Entzug von menschlicher Nähe hat in den letzten Wochen extreme Ausmaße angenommen – viele sind an der Schwelle des Verkraftbaren und das ist zutiefst menschlich.

Psychische Gesundheit, Bewegungsmangel, häusliche Gewalt

Stress, Frust, Schlafmangel – Symptome, die jeder von uns kennen dürfte, doch unter den derzeitigen Ausgangsbeschränkungen kommen diese häufiger vor und können schnell auch bedrohliche Auswirkungen annehmen.[1+2]  Wenn unzählige Menschen in Depressionen schlittern, oder zunehmend ihren Frust und Unmut in häuslicher Gewalt kanalisieren, müssen die die Alarmglocken schrillen.[3+4]. 

Welche Kollateralschäden müssen wir als Gesellschaft hinnehmen?
Die psychischen und physischen Auswirkungen, die das propagierte Social Distancing mit sich bringt – und zwar voraussichtlich längerfristig – müssen gesehen und gehört werden.

Deshalb nun mein Plädoyer: Fangen wir an das Social Distancing als Physical Distancing zu begreifen. Abstand halten ist eine sinnvolle Maßnahme, die jeder ergreifen kann. Soziale Nähe ist aber genauso lebenswichtig.[5]

Weg von Social Distancing hin zu rein physischem Abstandhalten während Social-Caring

Der Entzug von menschlicher Nähe führt zu geistiger und sozialer Verarmung.[6] Dagegen möchte ich nun tätig werden.

Aus stadtplanerischer Sicht ist das Thema des Physical Distancing eine richtungsweisende Herausforderung. Seit Wochen sehen wir so klar wie noch nie: der öffentliche Raum in unseren Ballungsräumen ist nicht nur knappes und somit kostbares Gut, er ist auch irrsinnig unfair verteilt.

Menschen, die durch die Straßen spazieren sind vielerorts gezwungen, auf die Fahrbahn auszuweichen, da ein Begegnen unter Einhaltung des Mindestabstandes von einem Meter – besser jedoch 2m – selten möglich ist.

Zu Fuß Gehende und Radfahrende spüren am eigenen Leib, wie knapp der Abstand zueinander manchmal wird, weil ihnen einfach nicht genügend Raum zugestanden wird. Die Stadt Wien hat zwar sehr spät reagiert, aber immerhin seit Ostern einige Straßenzüge für die gesündesten Formen der Mobilität (Anm. „Aktive Mobilität“) geöffnet. Es ist ein Anfang.

Wenn wir davon ausgehen, dass #PhysicalDistancing auch für Post-Corona Zeiten ein Credo bleiben wird, brauchen wir eine flächendeckende Ausweitung dieser Maßnahmen.

Zusätzlich freuen wir uns auf kreative Lösungen, wie wir der sozialen Verarmung entgegenwirken können, ja vielmehr wieder wertvolle zwischenmenschliche Interaktion fördern können – trotz des notwendigen Abstandhaltens.

Eine solche Idee nimmt mit #socialspots gerade Formen an. Bleibt gespannt. Damit wird nämlich aus #SocialDistancing ein #Social Caring mit #PhysicalDistancing und das ist weitaus besser.

Außerdem: Du wünscht dir mehr Platz zum Gehen, Verweilen, Radfahren und Spielen im öffentlichen Raum in Wien? Dann unterzeichne hier: #platzfürwien

Hilfs-Hotlines in Zeiten psychischer Belastungen:
142 (Notruf), täglich 0–24 Uhr

Weitere: https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/betroffene/krisentelefonnummern

[1] https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/isolation-coronavirus-social-distancing-folgen

[2] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30460-8/fulltext#seccestitle40

[3] https://www.nytimes.com/2020/04/06/world/coronavirus-domestic-violence.html

[4] https://orf.at/stories/3160714/

[5] https://www.schmid-schmid.at/blog/aktuelles/physical-distancing-statt-social-distancing

[6] https://www.addendum.org/coronavirus/podcast-corona-alltagsgeschichten/#ep22

„Sitz Doch“ á la Niederländisch

Eine Bank erfasst den Bedarf nach Sitzmöglichkeiten

Im niederländischen Groningen wurde sieben Wochen lang eine Bank an verschiedenen Orten der Stadt aufgestellt. So weit so gut, nur hatte die – für Wiener Verhältnisse – untypisch modern anmutende Bank auch einen versteckten Sensor integriert, der die Nutzungshäufigkeit und Sitzdauer aufzeichnete.

source: Jorne Visser, co-founder of Bureau Buitendienst

So konnten in diesem ersten Pilotversuch des sogenannten „BNCH project“ wichtige Daten zum Bedarf an Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum erfasst werden. Generell zeigte sich: an viel frequentierten Orten wurde die Bank öfter, dafür aber mit kürzerer Sitzdauer verwendet, während an weniger belebten Orten die Nutzungsanzahl sank, dafür aber die Sitzdauer wesentlich länger war.

Zusätzlich gab es auch einen qualitativen Teil der Untersuchung bei dem die Nutzerinnen und Nutzer mittels QR-Code Scan auf einer Homepage über die verschiedenen Standorte der Bank sowie über das Bank-Design abstimmen und Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum generell bewerten konnten.

source: Jorne Visser, co-founder of Bureau Buitendienst

So einfach kann es sein – allein das Aufstellen einer (vorher fehlenden) Sitzmöglichkeit kann den öffentlichen Raum verwandeln und eine Umgebung schaffen, in der sich Menschen ausruhen, essen, unterhalten, treffen und das städtische Leben genießen können. Eine weitere Erkenntnis ist, dass der Standort vorrangig entscheidend dafür ist, ob eine Bank verwendet wird oder nicht, das Design der Bank wiederum ist sehr wichtig um Sitzgelegenheiten zu kreieren, die für alle ansprechend sind.

Wir finden dies ist ein schönes Beispiel für niederschwellige Stadtentwicklung. Ein Experiment, welches dabei hilft den öffentlichen Raum für alle zugänglicher und dadurch inklusiver zu gestalten.

Ganz ähnlich, wie geht-doch in Wien mit den roten Klappsesseln auf die Wichtigkeit von konsumfreien Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum hingewiesen hat. Fast könnte man meinen, dass Groningen von unseren Aktionen für mehr konsumfreie Sitzmöglichkeiten mit den Sitz-dochs inspiriert wurde.

#sesseltanz

Best thanks to Jorne Visser, co-founder of Bureau Buitendienst, for providing the photos!

Groningen (NL): BNCH project

Quellen:
Bureau Buitendienst (2019): Projecten: BNCH
https://www.bureaubuitendienst.com/projecten1/bnch

Humankind HQ: Blog
https://www.humankind.city/post/the-benchmark-a-smart-bench-that-teaches-cities-about-the-public-space

Zu Fuß Gehen im Regierungsprogramm von Schwarz-Grün

geht-doch.wien hat im letzten Jourfixe das Regierungsprogramm von Schwarz-Grün unter die Lupe genommen:

Fazit:
Ambitioniert – nona – und wichtig wären noch konkretere Maßnahmen.
In Kursiv das Programm, darunter unsere Kommentare.

  • Der Rad und Fußgängerverkehr nimmt stetig an Bedeutung zu. Dieser positive Trend muss weiterhin unterstützt und gestärkt werden.
    Selbstverständlich, sehen wir auch so.
  • Evaluierung der StVO auf Benachteiligungen des Radfahrens und Zufußgehens:
    o Abbau von rechtlichen Barrieren zum Wohle des sicheren Radfahrens sowie Zufußgehens
    o Ermöglichung von Temporeduktionen in Ortskernen und vor Schulen sowie an Unfallhäufungsstellen (auch auf Landesstraßen)
    o Stärkung des Rücksichtnahmeprinzips in der StVO

Was wir vermissen: Geschwindigkeitsreduktion auf 10km/h vor Zebrastreifen.

  • Vertiefende Ausbildung der LKW-Fahrerinnen und -fahrer im Rahmen der Berufskraftfahrer-Aus- und -Weiterbildung hinsichtlich „Verkehrssicherheit und toter Winkel“

o Bewusstseinsbildungsmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen von Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern betreffend „Toter Winkel“
o Prüfung einer Förderung für Nachrüstung von Abbiegeassistenten
o Ausstattung von ASFINAG-Parkplätzen mit Einrichtungen zur korrekten Ausrichtung der Spiegel von LKWs sowie Kontaktaufnahme und gemeinsame Evaluierung mit den Mineralölfirmen, ob die Einrichtung solcher Plätze auch bei Tankstellen möglich ist.

Bedeutet das, dass die verpflichtende Aufrüstung mit Abbiegeassistenten nicht früher als von der EU vorgesehen kommt?

  • Radpaket und Zufußgehen – Offensive für aktive, sanfte Mobilität:
    o Eigene Organisationseinheit für Fahrradfahren, Zufußgehen und Barrierefreiheit im BMVIT durch Reorganisation der bestehenden Ressourcen
  • Attraktivierung des Fußgängerverkehrs
    o Weiterentwicklung und Umsetzung des „Masterplans Gehen“ zur Förderung des Fußgängerverkehrs
    o Fußgängerverkehr bei Gestaltung rechtlicher Rahmenbedingungen der Verkehrsorganisation wie der StVO und bei Gestaltung des Straßenraums stärker berücksichtigen

Wir wünschen uns: ein Umbau einer Straße muss eine Verbesserung für aktive Mobilität bringen!

o Verstärkte Förderung von Investitionen im Fußgängerverkehr

Ja, denn die Zu Fuß Gehenden sind die größte Gruppe aller Verkehrsteilnehmenden in Österreich. Diese sollte zuerst bedacht und verstärkt beglückt werden.
Außerdem: Barrierefreiheit für Zu Fuß Gehende!
Mehr Querungsmöglichkeiten für Zu Fuß Gehende!

o Förderschiene Mobilitätsmanagement ausbauen
o Anpassung der Kriterien für Klimaförderungen aus Bundesmitteln, damit auch Infrastruktur für den Fußverkehr förderungswürdig wird (klimaaktiv)

Unbedingt. Denn noch sind sie es nicht!

o Infrastrukturentscheidungen sollen die Planung und Errichtung begleitender und vernetzender Fuß- und Radwege berücksichtigen

Ja – immer.
Ein Umbau einer Straße muss eine Verbesserung für aktive Mobilität bringen.

o Der Unterausschuss Radverkehr des BMVIT wird um die Agenden des Fußverkehrs erweitert

Ja, finden wir wichtig und richtig, dass Radverkehr gemeinsam mit Fußverkehr gedacht wird – und nicht gegeneinander ausgespielt wird. Fraglich ist, ob derart viele Agenden bei den Treffen durchgebracht werden können?

e-scooter am Gehsteig oder Radweg?

Die Mobilität in der Stadt wird immer vielfältiger. Menschen nutzen Fahrräder, Öffis, Autos und gehen zu Fuß. Vermehrt sind neben Rollern auch E-Scooter im Stadtgebiet unterwegs. Diese sind eine für die Mobilitätswende und die Wahlfreiheit bei der Mobilität begrüßenswerte Alternative. Wichtig ist jedoch die passende Nutzweise der Roller bzw. E-Scooter je nach Bauart. Der neue Trend veranschaulicht auch, wie dringend notwendig eine faire Verteilung des öffentlichen Raums für die unterschiedlichen Mobilitätsarten ist.

In einem gemeinsamen Grundsatzpapier erläutern die FußgängerInnenlobbys Walk-Space & geht-doch und die Radlobby Österreich ihre Position zur Nutzweise von Rollern und E-Scootern.

Fazit

  • Wir begrüßen die Schaffung von Mobilitätsalternativen als ein Mittel zur Erreichung der Mobilitätswende.
  • Wir fordern eine klare Unterscheidung und Differenzierung in der Behandlung von muskelbetriebenen und elektrisch betriebenen Verkehrsmitteln.
  • E-Scooter (< 25 km/h, < 600 W) ähneln vom Geschwindigkeitsprofil her Fahrrädern – es ist naheliegend, dass E-Scooter auf Radfahranlagen unterwegs sein sollen.
  • Die Fahrradinfrastruktur ist entsprechend dem neuen Nutzungsdruck und in Hinblick auf nationale und kommunale Zielsetzungen großzügig auszubauen.
  • Der Ausbau der Fahrradinfrastruktur darf nicht auf Kosten von Fußverkehrsflächen passieren.
  • Der Gehsteig ist oft der letzte Rückzugsort für Fußgehende. Schrittgeschwindigkeit ist hier das Maß der Dinge.
  • RollerfahrerInnen haben sich auf Gehsteigen der Fußgehergeschwindigkeit anzupassen.
  • Gehsteige sind mindestens in Regelbreite auszuführen und von (neuen) Hindernissen freizuhalten (Verkehrsschilder, Schaltkästen, E-Ladesäulen, abgestellte Leih-E-Scooter, etc.).
  • Die Regeln für gesetzeskonformes Abstellen von Rollern und E-Scootern sind zu kommunizieren und zu exekutieren.
  • Fußverkehrsflächen sind im Sinne eines „design for all“ (barrierefrei, seniorInnentauglich) zu optimieren (Oberflächengestaltung, Querungsstellen, Sichtbeziehungen).
  • Motorisierte Spaß- oder Transportgeräte (E-Scooter, sonstige motorisierte Kleinfahrzeuge oder fahrzeugähnliches Spielzeug) haben nichts auf Fußverkehrsflächen verloren.
  • Wir empfehlen die Aufnahme von E-Scootern als eigene Fahrzeug-Kategorie in die Verkehrsunfallstatistik, um deren Unfallgeschehen von Unfällen mit Fahrrad- bzw. fahrzeugähnlicher (Kinder-)Spielzeug-Beteiligung unterscheiden zu können.

Hier gehts zum ausführlichen Positionspapier.

Warum wir die Petition „Leben retten im toten Winkel“ ins Leben gerufen haben.

Der öffentliche Aufschrei war da. Schon wieder ein tragischer Unfall, der einem das Herz bricht, schon wieder ein Unfall der vermieden hätte werden können.

geht-doch.wien mit Ulrich, Guntram und mir, die Radlobby – wir alle waren am Ort des Unfalls, und ergriffen von dieser Anteilnahme und von diesem Schicksal. Wir alle wollten etwas tun. Wir bereiteten eine erste emotionale Petition vor. „LKWs – raus aus der Stadt“ – dann kam der Anruf von Helge. Und das Einsehen, dass es eine klare, headline-starke Forderung geben müsste – die auch umsetzbar ist.

Und dann war sie da – die Petition „Leben retten im toten Winkel“ und online! Hast du schon unterschrieben?
Ich hatte nicht mit diesem Lauffeuer gerechnet, Nach 2 Tagen bereits 20.000 Unterschriften. So viele Menschen, die nicht einsehen wollen, dass in den nächsten Jahren nochmals an die 84 Menschen sterben müssen, bis eine EU-weite Richtlinie auch bei uns umgesetzt wird.
Es bedarf einer einfachen Verordnung des Verkehrsministers – darum richten wir unseren Appell auch direkt an ihn.  Herr Hofer, setzen sie folgende Forderungen um:

1. Verpflichtende Nachrüstung von elektronischen Abbiegeassistenten für alle Nutzfahrzeuge auf nationaler Ebene zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Ein Abbiegeassistent mit automatischer Bremsfunktion schützt Menschen zu Fuß und am Rad, die sich beim Abbiegen im toten Winkel des LKWs befinden.

2. Druck auf die EU-Kommission, damit die geplante Einbau-Verpflichtung vorgezogen (derzeit ab 2024 vorgesehen), sowie auf alte LKWs erweitert wird (Nachrüstung). Einsetzen für Standards, die niedrigere Fahrerkabinen mit besserer Rundum-Sicht vorschreiben.

3. Sofortige Nachrüstung des Fuhrparks der öffentlichen Hand durch elektronische Abbiegeassistenten.

4. Durchfahrtsbeschränkungen für ausländische LKWs ohne solche Abbiegeassistenten. Dies ist nach einem neuen Rechtsgutachten mit EU-Recht vereinbar [3].

Der tote Winkel ist nicht erst seit einer Woche ein Problem. Die Politik braucht mehr Mut zu unpopulären Entscheidungen und zu einer neuen, frischen Sichtweise auf den motorisierten Verkehr: nicht die Kinder, die Menschen sollen sich dem motorisierten Verkehr anpassen. Wir wollen Öffentlichen Raum, der kindergerecht sein soll, der menschengerecht sein soll.

Kinder sollen selbstständig – und ohne Furcht – aktive Verkehrsteilnehmer sein können. Kinder sind Radfahrerinnen und Fußgänger von morgen – wir werden sie als solche brauchen!

Und dafür ist diese Petition der erste Schritt. Wenn du noch nicht unterschrieben hast, dann mach das doch bitte jetzt.

[1] https://wien.orf.at/news/stories/2961843/
[2] https://udv.de/de/medien/mitteilungen/lkw-abbiegeassistent-gegen-radfahrerunfaelle
[3] https://www.stefan-gelbhaar.de/app/download/8969579576/Rechtsgutachten%20Einf%C3%BChrung%20von%20LKW-Abbiegesystemen.pdf?t=1548238155

Kurz-url zur Petition: bit.ly/abbiegeassistent

Ich wünsch mir eine kindgerechte Stadt – ohne Lastwägen.

Es ist bedrückend an der Kreuzung zu stehen, an der gestern zur selben Zeit ein Kind von einem abbiegenden LKW getötet worden ist.
Es ist fast noch bedrückender, zu wissen, dass es in Wien hunderte ähnliche Kreuzungen gibt, an denen soetwas jederzeit wieder passieren kann.

Und doch – bleibt neben der Trauer, Wut und Lähmung, dass eben niemand im Straßenraum davor gefeit ist ein Fragezeichen. Warum muss es diese tonnenschweren Laster in der Stadt geben? Warum kann ich meine Kinder nicht in Sicherheit wissen, wenn sie im Straßenraum eh alles richtig machen und bei grün über den Zebrastreifen gehen? Wie sieht eine kindgerechte Stadt, eine menschengerechte Stadt aus?

Haben dort große LKWs eigentlich etwas verloren?
Warum gibt es nicht die Möglichkeit, dass diese riesigen Lastwägen nur auf Hauptverkehrsstrecken fahren und Verladestationen ansteuern, wo dann auf kleine elektrische Zulieferautos oder Lastenfahrräder umsortiert wird? Weniger gesundheitsgefährdender Feinstaub, weniger CO2 Belastung, weniger Lärm, weniger Platzverbrauch in der Stadt – vor allem aber weniger Gefährdung. Das ist möglich – wir müssen nur bereit sein für neue innerstädtische Logistikkonzepte.(1)

Aber auch Tempo30 für LKWs und Reisebusse wäre eine notwendige Maßnahme.

        

In den letzten zwei Monaten verunglückten in Wien drei Menschen tödlich, zwei jeweils bei grün am Zebrastreifen durch rechts abbiegende LKWs. Gestern war es ein neunjähriges Kind. Die Betroffenheit und Anteilnahme ist groß.

Ich frage mich, wie ich meine zwei Kinder zu selbstständigen und aktiven Verkehrsteilnehmern “empowern” kann? Viele Eltern erzählen mir, sie würden aus Sicherheitsdenken heraus ihre Kinder lieber im Auto im Straßenverkehr herumkutschieren, als sie der gefühlten Gefahr auszusetzen. Was verständlich klingen mag, ist gesellschaftlich jedoch die absolut falsche Konsequenz. Wenn Lastwagen Kinder töten, sollen nicht Kinder von der Straße verschwinden, sondern die LKWs.(2)

Wenn Elterntaxis Kinder am Weg zur Schule gefährden, soll es eine autofreie Zone zumindest vor der Schule zumindest vor Unterrichtsbeginn geben, Wege zu Kindergärten sollen zumindest verkehrsberuhigt sein, mit verbreiterten Gehsteigen zum Kindergarten.

So sieht eine kindergerechte Stadt, eine smart City wie Wien sie sein will, nämlich aus.

(1) Siehe: http://www.taz.de/!5512393/

(2)  LKW und Busse waren in Österreich an 40% der tödlichen Fußgeher- und  Radfahrerunfälle zwischen 2012 bis 2017 beteiligt.

 

 

 

Petition für freie Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang

oder: Wien – die Stadt der Parkbänke – Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang. Tatsächlich?

Unterzeichne unsere Petition für freie Sitzplätze ohne Konsumzwang.

In Wien finden sich in drei von zehn Straßen Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang. Deutlich weniger, als in drei anderen untersuchten Städten (Rotterdam – mit 8 von 10Straßen, Kopenhagen – mit 5 von 10, München – mit 5 von 10 Straßen). Das unterstreicht eine aktuelle Studie der Universität für Bodenkultur in Wien. („Potentiale von Alltagsstraßen – Wiener Querschnitt im internationalen Kontext“ ila, 2017.)

Über die genaue Anzahl der Sitzgelegenheiten in Wien, wissen nur die zuständigen Stellen der MA42 Bescheid – und zwar ausschließlich für alle Parkanlagen. Wieviele Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang es tatsächlich in Wien gibt? – Darüber herrscht großes Schweigen.
Wieviele Bänke es rund um den Ring gibt? – das bestgehütetste Geheimnis Wiens.

Mit unserer Petition “für freie Sitzplätze ohne Konsumzwang” versuchen wir nicht bloß das Geheimnis zu lüften, sondern fordern wir alle 300 Meter eine Sitzgelegenheit auf den Straßen Wiens ein. 300 Meter entspricht der Gehdistanz in 10 Minuten von einer mobilitätseingeschränkten Person. (1)

Ältere Menschen, Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung betrifft es ebenso wie Schwangere und Menschen, die mit Kleinkindern unterwegs sind. Sie brauchen öfter eine Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Ein nettes Plätzchen, das zum Verweilen einlädt – gratis, wo nichts konsumiert werden muss. Wege, die sonst zu lange und anstrengend erscheinen, werden durch Sitzgelegenheiten wieder attraktiv und einladend gemacht. Das schafft Lebensqualität, und regt zum bewussten Zu Fuß Gehen an.

Dafür setzen sich geht-doch.wien und viele aktive Wienerinnen & Wiener ein, die unsere Petition bereits unterschrieben haben.

Hier kann online unterschrieben werden. (Handysignatur oder Bürgerkarte notwendig). Oder offline unterschrieben – mittels ausgedruckter Petition, an uns zurück geschickt.

(1) Durch die Sitzgelegenheit darf keine Engstelle auf dem Gehsteig entstehen, die Mindestgehsteigbreite von zwei Metern muss erhalten bleiben.