#rot-pinke Stadtregierung: Analyse ihres Programms.

Wir haben das Regierungsprogramm durchgeackert – und die Fußgänger:innenrelevanten Stellen herausgearbeitet:

Es beginnt ambitioniert und löblich, jedoch ohne abgeleitete Maßnahmen. Aber vielleicht wollen sie es ja spannend machen?

1. Ausbau Öffis:
S.68: „Dafür sind der konsequente Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, die Ausweitung des Rad und Fußverkehrs sowie der Umstieg auf CO2-freie Antriebe die zentralen Instrumente.“
Wiewohl eine kleine Maßnahme vorgestellt wird:
 S.68: Maßnahme: Die Taxiflotte soll auf e-Flotte umgestellt werden + Ladestellen für sie geschaffen werden.
Ladestellen werden momentan (noch) fälschlicherweise auf den Gehsteig gepflanzt. Obwohl sie rein gar nichts mit Zufußgehen zu tun haben. Ladestellen für Autos gehören in die Parkspur!


2.  Nachhaltige Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen (S.71):.
Die Projekte sollen in jedem Bezirk zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Die Bezirke können die Förderungen im Rahmen der Umgestaltung von öffentlichen Räumen abrufen.
● Gefördert werden klimawandelanpassende und die Aufenthaltsqualität steigernde Umbaumaßnahmen des öffentlichen Raumes, mit denen möglichst effizient positive Veränderungen des Mikroklimas erreicht werden. Darunter fallen z.B.:
○ Die Entsiegelung von Flächen durch Schaffung von Grünraum und Wasserläufen, Wasserrinnen, Wasserflächen oder Brunnen sowie Wasserspielen, Nebelduschen, Sprühnebel und mobilen Trinkbrunnen mit Sprühnebelfunktion als lokale Kühlzonen.
○ Die Pflanzung von Bäumen bzw. – wo Bäume nicht möglich sind – der Einsatz von Modulen aus dem Programm „Raus aus dem Asphalt“ (.d.h. Asphaltflächen werden aufgebrochen und begrünt, um Grätzl noch attraktiver zu machen).

Das finden wir ein gutes Ansinnen. Fraglich, wie schnell so etwas vorangetrieben wird. Wir wünschen uns das möglichst sofort.

3. Umgestaltung Straßen/Plätzen
Neugestaltung von zumindest vier überregional bedeutsamen Straßen und vier Plätzen bis 2025, die als versiegelte Betonwüsten nicht mehr aktuell sind, und daher entsiegelt und begrünt werden sollen (wie beispielsweise Praterstern oder Simmeringer Hauptstraße). Die Festlegung der konkreten Projekte erfolgt gemeinsam.
–> Also partizipativ mit mehr Bürgerbeteiligung. BürgerInnenbeteiligung als bewusst steuerndes Instrument von oben, lässt kaum größere Richtungsentscheidungen zu. Aber wir hätten schon viele Vorschläge: Praterstern, Schwedenplatz, Simmeringer Hauptstraße, Landstraßer Hauptstraße, Wagramerstraße, Kagraner Platz, Erzherzog-Karlstraße, Universitätsring, Wiedner Hauptstraße, Wallensteinplatz, Gersthof (18.), Brünnerstraße, Pragerstraße, Floridsdorfer Hauptplatz, Althangründe, Nussdorferstraße.

4. Für den Öffentlichen Raum: 
Straßen beruhigen und zu Treffpunkten machen sowie Errichtung von mehr Sitzgelegenheiten. Ja, das ist eine unserer Kernforderungen. Diese wurde im übrigen im Petitionsausschuss (2019) einstimmig angenommen, an allen neuralgischen Punkten, Sitzgelegenheiten zu schaffen.

5. Leuchtturmprojekte

Da fällt ihnen leider nicht viel ein:
Einzig spannend:
das Raufholen unterirdischer Wasserläufe. Gut.
Für das Aufstellen von Grünpflanzen auf Gehsteigen und in Baumscheiben durch Private soll ein möglichst einfaches und für die Bewohner_innen kostengünstiges Verfahren in Übereinstimmung mit den bundesrechtlichen Regelungen geschaffen werden. Nach dem Vorbild von „150 Grüne Häuser“ sollen bürokratische Hürden beseitigt und ein einfaches bürger_innenfreundliches Verfahren zur raschen Abwicklung geschaffen werden.

6. Märkte:
Konsumfreie Zonen mit Sitzgelegenheiten und Trinkbrunnen sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen.
Ja, dem stimmen wir zu. Also nur zu. Bitte erschaffen. Die Fußgänger:innen unserer Stadt stehen hinter ihnen und unterstützen das.

7. Öffentlicher Raum: (S101)
Es sind dies Orte der Entschleunigung, des Flanierens, die hier Räume für Begegnungen und soziale Kontakte schaffen. Und damit sind sie auch Spielflächen und bieten ein enormes Potential für Kreativität, Nähe, Offenheit und Austausch – ein fruchtbarer Boden für ein gutes Miteinander. Das Grätzl als erweitertes Wohnzimmer in der lebenswertesten Stadt der Welt.

  • Begrünungsinitiativen, Kühlungsmaßnahmen in den heißen Sommern, der Ausbau bzw. die Attraktivierung der Parks sollen die Qualität der Grätzln ebenso erhöhen wie Verkehrsberuhigungen oder mehr Sitz- und Liegegelegenheiten im öffentlichen Raum.
  • Wir stärken die Stadt der kurzen Wege, um längere Wege bzw. Wege mit motorisierten Fahrzeugen zu vermeiden
  • Wir legen Wert auf die verstärkte Einbindung von zivilgesellschaftlichen Initiativen 
    Dem stimmen wir zu. Als zivilgesellschaftliche Initiative werden wir das Gespräch suchen.

8: Smart City Wien S135: 
Das bedeutet mehr Freiraum für Fußgeher_innen, mehr konsumfreie Sitzgelegenheiten, mehr Grün und mehr Wasser in der Stadt. Damit einher geht eine Reduktion der Flächen für den rollenden und ruhenden motorisierten Individualverkehr.
-> jawohl, aber wie und mit welchen Maßnahmen? Macht es doch nicht so spannend.

9: Fuß- und Radverkehr (S.163)
Infrastruktur und öffentlicher Raum werden noch zu oft für den motorisierten Individualverkehr gedacht und geplant. Ein Auto nimmt stehend zehn bis 15 Mal so viel Raum ein wie ein einzelner Mensch oder ein Fahrrad. In Bewegung steigert sich das Missverhältnis noch mehr. Unser Fokus ist es, Alternativen zum eigenen Pkw attraktiv und leistbar zu machen. Wien soll so rasch wie möglich zur Stadt der kurzen Wege werden und wird dabei auch auf die Außenbezirke achten. Der Aktivverkehr ist für ein erfolgreiches und nachhaltiges Mobilitätskonzept unerlässlich. Es wird in allen Planungen als vollwertige, gleichberechtigte Komponente behandelt. Dort, wo sich die (Um-)Gestaltung des Straßenraums an den Bedürfnissen der schwächeren Verkehrsteilnehmer_innen und der Anwohner_innen orientiert, wird die Fortbewegung faktisch und gefühlt sicherer. Der öffentliche Raum wird als Ort des Austauschs und Aufenthalts wahrgenommen und die Lebensqualität steigt. Planung muss daher von den Bedürfnissen der schwächsten Verkehrsteilnehmer_innen ausgehen und darf sich nicht an angenommenen Spitzenbelastungen für PKW orientieren. Es braucht mehr Rücksicht auf Menschen mit Behinderungen im gesamten Straßenverkehr.

Zebrastreifen und Blockmarkierungen: Wer durch die Stadt geht, merkt, es gibt keine einheitliche Linie für Straßenquerungen und Zebrastreifen bzw. Blockmarkierungen für Radfahrquerungen. Das schafft Unsicherheit und das wollen wir ändern.
● Straßenbahnhaltestellen, die als Inseln inmitten von Straßen angelegt sind, sind oft nur über Fußgängerampeln erreichbar. Diese Haltestellen sollen zukünftig immer über mindestens einen Schutzweg für jede Fahrtrichtung angebunden werden.

● Ersatzgehsteige: Wir wollen Baustellen künftig gemeinsam mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) screenen. Auf diese Weise kann die nachträgliche Einrichtung gesicherter Gehverbindungen vorgeschrieben werden. Diese Vorgangsweise war früher üblich und soll wieder Standard werden.

● Wir wollen bestehende Konflikte zwischen Radfahrer_innen und Fußgänger_innen lösen. Mit intelligenter Planung und legistischen Maßnahmen (Verkehrszeichen) sind einige der Probleme zu lösen.

● Wir schaffen mehr Platz, Komfort und Sicherheit („Vision Zero“ – null Verkehrstote in Wien) für den Umweltverbund durch den neuen „Wiener Straßenquerschnitt“. Das heißt konsequente Umsetzung von Planungsprinzipien für den Fuß- und Radverkehr (z.B. Begrünung als Standard) Wir reduzieren, wo es für den Fußverkehr notwendig ist, die PKW-Infrastruktur (z.B. Weglassen von Parkspuren für breitere Gehsteige). 


Der Platz für den Radverkehr darf nicht zu Lasten des Fußverkehrs gehen. Ja – unsere Forderung. Im Idealfall sind Radwege baulich vom anderen Verkehr zu trennen. Stimmt genau. Es sind Alternativen zu schmalen Radstreifen gefragt, die nicht mit parkendem Verkehr und Einfahrten kollidieren und Platz zum Überholen bieten. Die Öffnung von Einbahnstraßen für Radverkehr, die Einrichtung von Fahrradstraßen oder autofreie Bereiche sind kostengünstige und schnell realisierbare Maßnahmen, falls bauliche Maßnahmen an Hauptverkehrsstraßen nicht durchführbar sind.
Entspricht der Forderung 9-11 von Platz für Wien, die wir unterstützen.

10. Supergrätzln (S.160)
Mit sogenannten „Super-Grätzln“ sollen vorrangig Straßen rund um Bildungseinrichtungen verkehrsberuhigt, entsiegelt und begrünt werden:
Wir beruhigen Kreuzungen und Straßen und machen sie zu Begegnungsstätten für Anwohner_innen und Passant_innen. Der Verkehr soll nach Möglichkeit um diese geleitet werden. So wird die Wohnqualität noch mehr verbessert – ein „Super-Grätzl“ eben.
Entspricht der Forderung 1 von Platz für Wien, die wir vollinhaltlich unterstützen.

● Überall, wo das nicht möglich ist, werden integrative Lösungen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität der Vorplätze von Kindergärten und Schulen umgesetzt.

● Damit ein neues Viertel auch von alteingesessenen Nachbar_innen angenommen wird, braucht es Plätze und Wege, die für alle offen sind und Begegnungen ermöglichen. Wir werden mehr Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum schaffen und dauerhafte Begegnungszonen ausbauen.

11. Schulwegsicherheit (S. 164)
2019 wurden in Wien 459 Kinder auf dem Schulweg verletzt, zwei Kinder wurden dabei getötet. Um dies künftig zu verhindern, muss das Thema Schulwegsicherheit prioritär behandelt werden. Rund 160 Stellen auf Schulwegen wurden bislang als besonders gefährlich dokumentiert.Wir beschließen ein „Schulwegsicherheitspaket“, das die Bezirke bei der raschen Umsetzung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen am Schulweg unterstützen soll. Individuelle Maßnahmen sollen von den Bezirken, gemeinsam mit den Schulstandorten erarbeitet werden.
● Ein Förderkatalog für die Umsetzung der Maßnahmen soll erarbeitet werden.
● Ziel ist es, dass bis 2025 alle dokumentierten Gefahrenstellen entschärft werden.
● Eine rechtskonforme Lösung der Verpflichtung für LKWs, Abbiegeassistenten zu installieren, wird erarbeitet

Sinnvoll & Verkehrsberuhigend sind Schulstraßen oder autofreie Schulvorplätze. Beides ist umsetzbar. Die Nachfrage danach seitens der Bezirke/Schulen ist leider nicht groß.

Eine verpflichtende Nachrüstung von LKWs mit Abbiegeassistent wird seitens der EU verzögert. Wir sind gespannt, welche rechtskonforme Lösung Österreich hier erarbeiten kann. Ein Rechtsabbiegen mit Schrittgeschwindigkeit ist keine Lösung.

Leider haben wir auch Antworten von Bezirkspolitikern gehört, die diese Vorschläge nicht unterstützen:
„es brauche vor Schulen eine notwendige Frequenz an Fußgänger:innen, um einen Zebrastreifen überhaupt erst machen zu können. Die SchülerInnen alleine genügen nicht.“
„Nein, bitte keine Schulstraßen. Wir brauchen hier Parkzonen für Elterntaxis. Das funktioniert bei mir nicht…“ 

Unser Fazit:
Es gibt grundlegende gute Ansichten und Ziele. Der Ruf „Raus aus dem Asphalt“ könnte als Leuchtturmprojekt fungieren, wenn er denn konsequent und effektiv umgesetzt wird. Generell werden konkrete Maßnahmen für den Radverkehr genannt. Zur Verbesserung des Fußverkehrs gibt es nur recht allgemeine Vorschläge, wie Begrünung und Sitzgelegenheiten. Konkrete Zahlen würden dem Ganzen mehr Relevanz geben. Alleine durch die Feststellung wie wichtig und gesund Aktive Mobilität ist, werden sich die Bedingungen fürs zu Fuß Gehen nicht verbessern.

Schmale Gehsteige? Wir wollen ein Foto davon!

Wer hat sich nicht schon über die Enge von Gehsteigen geärgert? Oder dass sie mit Hindernissen verstellt sind, die dort nichts verloren haben (Halteverbotstafeln, E-Tankstationen usw.)? Schick uns jetzt ein Foto davon – und wandle deinen Ärger in Aktionismus.

Fahrspuren und Parkstreifen haben festgelegte Breiten. Was dann noch vom Straßenraum übrig bleibt, wird zum Gehsteig. Dabei gehen fast alle Wiener*innen zu Fuß; und sei es auch nur bis zum Auto!

Was bislang ärgerlich und hinderlich war, wird in Zeiten von Corona zur Gefahr. Viele Menschen warten vor den Geschäften am Gehsteig. Abstandhalten ist auf schmalen Gehsteigen unmöglich. 38 Prozent der Wiener Gehsteige haben eine Breite von weniger als zwei Meter. Das muss sich ändern! Und zwar nicht irgendwann, sondern sofort!

Wir wollen deinen Ärger in Aktionismus umwandeln:

  1. Schick ein Foto an uns: foto@geht-doch.wien, oder
  2. auf der HP im Kontaktformular (hier weiter unten), oder
  3. per social media mittels Hashtags #LieblingsEngstelle, #WorstOfGehsteig, #ZuSchmal, #PlatzFürWien
  4. Unterzeichne  die Forderungen von #PlatzFürWien – und erzähle davon weiter!Wir sammeln alle Fotos, die bis Ende Mai 2020 eingelangt sind, und wenden uns damit an die verantwortlichen Stellen auf Gemeinde- und Bezirksebene.



    Alle gesammelten Fotos findest du hier auf „worst-of-Gehsteig“.

    Straßenraum will neu gedacht werden! Wir wollen Druck aufbauen, damit sich endlich etwas ändert und der Straßenraum gerechter und demokratischer verteilt wird.

    Platz ist ein kostbares Gut

    besonders in der Stadt.

    Jahrzehntelang wurde Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und dem öffentlichen Verkehr weggenommen, was eigentlich für sie gedacht war. Es wurde dem Auto zugeschlagen. Aus Gehsteigen wurden Parkplätze, aus Straßenbahnlinien wurden vierspurige Schnellstraßen. Bäume wurden gekappt für mehr Stellplätze. Gehsteige wurden weiter verkleinert für Schrägparkplätze am Gehsteig. Schulwege wurden gefährlich.

    Nun muss das Auto diesen Platz sukzessive wieder zurückgeben. Die Zeit des Autos ist vorbei. Die leisen Stimmen derer, die nicht in den Schlagzeilen der Zeitungen landen, weil sie wohlwollend diesen Maßnahmen zustimmen, werden zunehmend hörbar. Nicht immer sind alle Leute polternd dagegen, wenn ein Parkplatz in einen Radweg umgewandelt wird und damit wieder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird. Nicht immer sind alle Leute dagegen, wenn ein Gehsteig mit Ohrwascheln ausgestattet wird, anstatt als Parkplatz verwendet zu werden. Nicht immer sind alle dagegen, wenn der Öffentliche Raum der Allgemeinheit zu Gute kommt, anstatt als Autospur zu dienen.

    Es tut sich was – in unserer Stadt. Die leisen Stimmen werden lauter. Sie machen sich hörbar in Initiativen wie #PlatzfürWien. Eine Stadt ist nur lebens- und liebenswert, wenn ihre Straßen & Plätze wieder zu Orten der Begegnung werden. Wenn Kinder selbstständig ihren Schulweg zurücklegen können, ohne Elterntaxi. Wenn Eltern ihre Kinder – mit gutem Gefühl – alleine hinausschicken können. Wenn wir eine kindergerechte, eine klimagerechte und eine menschengerechte Stadt haben.
    (Anregungen dazu von Bernhard Odehnal)

    Aktion: Gehsteig-Rallye

    Die 1.Gehsteigrallye fand Freitags im 3.Bezirk statt.
    Super, dass ihr alle mitgemacht habt – Kinder, Eltern, ParkbesucherInnen, PensionistInnen, SchülerInnen – ihr wart große Klasse! Kann man an all den Fotos erkennen.

    Warum haben wir das gemeinsam mit Platz für Wien gemacht?
    Als Fußgänger*innen haben wir oft wirklich Schwierigkeiten, am Gehsteig Sicherheitsabstände einzuhalten, mit Kinderwägen unterwegs zu sein, mit dem Rollator zu gehen.

    Wir sammelten dazu #WorstofGehsteig Fotos.
    Einer der wichtigsten Faktoren für enge Gehsteigsituationen sind schrägparkende Autos. In allen Bezirken gibt es Beispiele dafür – wo vormals eigentlich zumindest 2m breite Gehsteige vorhanden waren, die durch eine Parkraumbewirtschaftung zu Kosten der FußgängerInnen, drastisch verkleinert wurden. Wo ursprünglich zwei Autos längs parkten, konnten durch diese gefinkelte Maßnahme nun plötzlich fünf Autos schräg parken. Dass der Gehsteig nur mehr halb so groß war, schien niemanden zu stören. Wurde achselzuckend zur Kenntnis genommen. Bis jetzt.

    Nun aber wird das von mehr und mehr Menschen ganz grundsätzlich in Frage gestellt und so nicht mehr akzeptiert. Wieviel Platz wollen Fußgänger*innen in Wien haben? Wieviel Platz soll es für aktive Mobilität (also das Zu Fuß Gehen und Rad Fahre) geben? Platz für Wien hat dazu einen Maßnahmenpaket für die Wiener Stadtregierung und die kommenden 10 Jahre ausgearbeitet.

    Jedenfalls bekamen wir die meisten #WorstofGehsteig Fotos aus dem 3.Bezirk zugesandt. Damit stand fest: dort findet die Rallye statt.

    In verschiedenen, wechselnden Alltagssituationen mussten die Teilnehmer*innen ihre Geschicklichkeit, ihre Schnelligkeit und ihren Stil unter Beweis stellen, selbst dann, wenn der Gehsteig schlicht zu schmal war, um dort sicher durchzukommen. Der Ehrgeiz war entfacht, und so gings rasant zu Fuß um den Park.

    Lustig wars, wenn man Alltagssituationen aus dem normalen Kontext enthebt. Im Alltag sind 1,5m breite zugeparkte Gehsteige alles andere als lustig. Wir Menschen brauchen Platz – es ist an der Zeit, die Schrägparkplätze in Längsparkplätze umzuwidmen.

    geht-doch bei den City Talks

    Die City-Talks Reihe wird von A city made by people in Amsterdam organisiert  und online abgehalten (in Englisch). Diesmal geht es darum unsere Mobilität nach Covid19 zu diskutieren und da ist geht-doch natürlich mit dabei und setzt sich auch international für die Anliegen und Bedürfnisse von zu Fuß Gehenden ein!

    Die offizielle Beschreibung lautet:

    „CITY TALKS is an ongoing series of online Live Q&A [Anm. Questions and Answers] featuring initiatives and topics from cities within our network.How will we cycle and walk in the new normal? How can we make more space for people to move comfortably in our cities? We’ve invited 3 initiatives that are working on these challenges due to the effects of the COVID-19 Corona measures.“

    Schaltet euch dazu und stellt eure Fragen!

    Link zur Teilnahme: https://www.acitymadebypeople.com/city-talks

    Social Spots – es geht – trotz Covid19!

    Als ich von der Idee erfuhr, dass jemand ein Social-Spot Meeting in Zeiten der Corona-Krise plant, das von Vorschriften und Social-Distancing geprägt ist, war ich einerseits etwas skeptisch, aber trotzdem neugierig.

    Viele Ideen schossen mir durch den Kopf: kann das funktionieren? – wie soll das funktionieren? – darf das denn überhaupt sein?

    Gespannt was mich da erwarten würde, begab ich mich zu dem vereinbarten Treffpunkt am Donaukanal, gleich gegenüber der Adria.

    Meine Skepsis wuchs noch mehr als ich merkte, wie viele Menschen den wunderschönen Sonntag ausnutzten um sich im Freien zu bewegen – „wo bitte sollten da mehrere Menschen bei dem Fußgänger- und Radfahreraufkommen noch Platz finden und dann auch noch den bekannten 1m Sicherheitsabstand wahren…und dann auch noch sozial interagieren?“

    Und da sah ich sie auch schon – Sophie, die ich von der Fußgängerinitiative geht-doch.wien kenne und ihre Freundin Mini – und beide sah ich, wie sie mit Kreide geometrische Figuren auf den Boden malten.

    Hmm…sah ein bisserl nach Pentagramm aus…Treffpunkt eines Hexenclubs?

    Nein, gar nicht (obwohl schade, ich wollte immer schon mal echte Hexen treffen) – aber wie mir Sophie erklärte, handelte es sich um gleichseitige Dreiecke die so angeordnet sind, dass in diesem Fall sich bis zu 12 Personen treffen können und sogar ein Mindestabstand von 2m zu jeder (!) Person eingehalten werden kann – einfach genial.

    Und auch die Kommunikation funktionierte hervorragend!

    Aufgrund der Anordnung der Dreiecke bekam man gleich mehrere Gesprächsinhalte unterschiedlichster Teilnehmer mit und konnte sich verschiedentlich bei anderen Themen einbringen.

    Auch meine Befürchtung, dass sich das mit der notwendigen Größe nie ausgehen konnte, wurde zerstreut. Der Treffpunkt war nämlich optimal gewählt – aufgrund des vorhandenen Kai-Vorsprungs ging sich das alles trotz des starken „Freizeitverkehrs“ wunderschön aus, sodass niemand durch unseren Social-Point gestört oder behindert wurde.

    Und außerdem wurden wir zu einem beliebten Fotomotiv! Viele blieben extra stehen und zückten ihr Handy, um ein Bild von der sich ihnen bietenden Szene zu machen – und das sogar von der nahen Marienbrücke!

    Mein Resümee: ganz nach unserem Vereinsmotto „geht-doch!“ Denn gerade in speziellen Situationen sieht man, was alles geht!

    Ich freu mich schon auf unser nächstes #SocialSpots-Treffen!

    Blogbeitrag von Christian D.

     

     

    Physical Distance aber Social Caring

    Ein Plädoyer

    Sprache ist tückisch, sie droht oft ein einseitiges Bild zu zeichnen. Deshalb plädiere ich für einen sorgsameren Umgang mit Sprache und letztendlich für einen wertschätzenderen Umgang mit sozialer Interaktion in Zeiten von COVID19 und danach.

    „Social Distancing“, wie es von Anfang an von Seiten der Regierung eingefordert und auch von vielen Menschen praktiziert wurde, ist ein irreführender Begriff.

    Ich selbst habe versucht mich so gut wie möglich daran zu halten.
    Ich habe meine Sozialkontakte zurückgeschraubt – und zwar drastisch, als jemand der normalerweise ein sehr vielfältiges Sozialleben pflegt.

    Anfänglich war es noch irgendwie aufregend über diverse Telekommunikationsapplikationen mit Freunden und Familie auf der ganzen Welt zu plaudern. Doch die Begeisterung daran schwand von Woche zu Woche. Und die Sehnsucht nach „echten“ Sozialkontakten stieg.

    Doch aus geglaubtem Mangel an Alternativen zog ich mich immer mehr in mich selbst zurück. Während draußen die Sonne einen wunderbar warmen Frühling einläutete und dieser von unzähligen Familien im Park genossen wurde, fühlte ich mich zusehends isoliert – und damit stehe ich nicht alleine da.

    Soziale Interaktion ist essentiell für unser Wohlbefinden und in vielen Fällen bekommen wir davon derzeit nur ein absolutes Minimum. Der Entzug von menschlicher Nähe hat in den letzten Wochen extreme Ausmaße angenommen – viele sind an der Schwelle des Verkraftbaren und das ist zutiefst menschlich.

    Psychische Gesundheit, Bewegungsmangel, häusliche Gewalt

    Stress, Frust, Schlafmangel – Symptome, die jeder von uns kennen dürfte, doch unter den derzeitigen Ausgangsbeschränkungen kommen diese häufiger vor und können schnell auch bedrohliche Auswirkungen annehmen.[1+2]  Wenn unzählige Menschen in Depressionen schlittern, oder zunehmend ihren Frust und Unmut in häuslicher Gewalt kanalisieren, müssen die die Alarmglocken schrillen.[3+4]. 

    Welche Kollateralschäden müssen wir als Gesellschaft hinnehmen?
    Die psychischen und physischen Auswirkungen, die das propagierte Social Distancing mit sich bringt – und zwar voraussichtlich längerfristig – müssen gesehen und gehört werden.

    Deshalb nun mein Plädoyer: Fangen wir an das Social Distancing als Physical Distancing zu begreifen. Abstand halten ist eine sinnvolle Maßnahme, die jeder ergreifen kann. Soziale Nähe ist aber genauso lebenswichtig.[5]

    Weg von Social Distancing hin zu rein physischem Abstandhalten während Social-Caring

    Der Entzug von menschlicher Nähe führt zu geistiger und sozialer Verarmung.[6] Dagegen möchte ich nun tätig werden.

    Aus stadtplanerischer Sicht ist das Thema des Physical Distancing eine richtungsweisende Herausforderung. Seit Wochen sehen wir so klar wie noch nie: der öffentliche Raum in unseren Ballungsräumen ist nicht nur knappes und somit kostbares Gut, er ist auch irrsinnig unfair verteilt.

    Menschen, die durch die Straßen spazieren sind vielerorts gezwungen, auf die Fahrbahn auszuweichen, da ein Begegnen unter Einhaltung des Mindestabstandes von einem Meter – besser jedoch 2m – selten möglich ist.

    Zu Fuß Gehende und Radfahrende spüren am eigenen Leib, wie knapp der Abstand zueinander manchmal wird, weil ihnen einfach nicht genügend Raum zugestanden wird. Die Stadt Wien hat zwar sehr spät reagiert, aber immerhin seit Ostern einige Straßenzüge für die gesündesten Formen der Mobilität (Anm. „Aktive Mobilität“) geöffnet. Es ist ein Anfang.

    Wenn wir davon ausgehen, dass #PhysicalDistancing auch für Post-Corona Zeiten ein Credo bleiben wird, brauchen wir eine flächendeckende Ausweitung dieser Maßnahmen.

    Zusätzlich freuen wir uns auf kreative Lösungen, wie wir der sozialen Verarmung entgegenwirken können, ja vielmehr wieder wertvolle zwischenmenschliche Interaktion fördern können – trotz des notwendigen Abstandhaltens.

    Eine solche Idee nimmt mit #socialspots gerade Formen an. Bleibt gespannt. Damit wird nämlich aus #SocialDistancing ein #Social Caring mit #PhysicalDistancing und das ist weitaus besser.

    Außerdem: Du wünscht dir mehr Platz zum Gehen, Verweilen, Radfahren und Spielen im öffentlichen Raum in Wien? Dann unterzeichne hier: #platzfürwien

    Hilfs-Hotlines in Zeiten psychischer Belastungen:
    142 (Notruf), täglich 0–24 Uhr

    Weitere: https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/betroffene/krisentelefonnummern

    [1] https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/isolation-coronavirus-social-distancing-folgen

    [2] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30460-8/fulltext#seccestitle40

    [3] https://www.nytimes.com/2020/04/06/world/coronavirus-domestic-violence.html

    [4] https://orf.at/stories/3160714/

    [5] https://www.schmid-schmid.at/blog/aktuelles/physical-distancing-statt-social-distancing

    [6] https://www.addendum.org/coronavirus/podcast-corona-alltagsgeschichten/#ep22

    „Sitz Doch“ á la Niederländisch

    Eine Bank erfasst den Bedarf nach Sitzmöglichkeiten

    Im niederländischen Groningen wurde sieben Wochen lang eine Bank an verschiedenen Orten der Stadt aufgestellt. So weit so gut, nur hatte die – für Wiener Verhältnisse – untypisch modern anmutende Bank auch einen versteckten Sensor integriert, der die Nutzungshäufigkeit und Sitzdauer aufzeichnete.

    source: Jorne Visser, co-founder of Bureau Buitendienst

    So konnten in diesem ersten Pilotversuch des sogenannten „BNCH project“ wichtige Daten zum Bedarf an Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum erfasst werden. Generell zeigte sich: an viel frequentierten Orten wurde die Bank öfter, dafür aber mit kürzerer Sitzdauer verwendet, während an weniger belebten Orten die Nutzungsanzahl sank, dafür aber die Sitzdauer wesentlich länger war.

    Zusätzlich gab es auch einen qualitativen Teil der Untersuchung bei dem die Nutzerinnen und Nutzer mittels QR-Code Scan auf einer Homepage über die verschiedenen Standorte der Bank sowie über das Bank-Design abstimmen und Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum generell bewerten konnten.

    source: Jorne Visser, co-founder of Bureau Buitendienst

    So einfach kann es sein – allein das Aufstellen einer (vorher fehlenden) Sitzmöglichkeit kann den öffentlichen Raum verwandeln und eine Umgebung schaffen, in der sich Menschen ausruhen, essen, unterhalten, treffen und das städtische Leben genießen können. Eine weitere Erkenntnis ist, dass der Standort vorrangig entscheidend dafür ist, ob eine Bank verwendet wird oder nicht, das Design der Bank wiederum ist sehr wichtig um Sitzgelegenheiten zu kreieren, die für alle ansprechend sind.

    Wir finden dies ist ein schönes Beispiel für niederschwellige Stadtentwicklung. Ein Experiment, welches dabei hilft den öffentlichen Raum für alle zugänglicher und dadurch inklusiver zu gestalten.

    Ganz ähnlich, wie geht-doch in Wien mit den roten Klappsesseln auf die Wichtigkeit von konsumfreien Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum hingewiesen hat. Fast könnte man meinen, dass Groningen von unseren Aktionen für mehr konsumfreie Sitzmöglichkeiten mit den Sitz-dochs inspiriert wurde.

    #sesseltanz

    Best thanks to Jorne Visser, co-founder of Bureau Buitendienst, for providing the photos!

    Groningen (NL): BNCH project

    Quellen:
    Bureau Buitendienst (2019): Projecten: BNCH
    https://www.bureaubuitendienst.com/projecten1/bnch

    Humankind HQ: Blog
    https://www.humankind.city/post/the-benchmark-a-smart-bench-that-teaches-cities-about-the-public-space

    Zu Fuß Gehen im Regierungsprogramm von Schwarz-Grün

    geht-doch.wien hat im letzten Jourfixe das Regierungsprogramm von Schwarz-Grün unter die Lupe genommen:

    Fazit:
    Ambitioniert – nona – und wichtig wären noch konkretere Maßnahmen.
    In Kursiv das Programm, darunter unsere Kommentare.

    • Der Rad und Fußgängerverkehr nimmt stetig an Bedeutung zu. Dieser positive Trend muss weiterhin unterstützt und gestärkt werden.
      Selbstverständlich, sehen wir auch so.
    • Evaluierung der StVO auf Benachteiligungen des Radfahrens und Zufußgehens:
      o Abbau von rechtlichen Barrieren zum Wohle des sicheren Radfahrens sowie Zufußgehens
      o Ermöglichung von Temporeduktionen in Ortskernen und vor Schulen sowie an Unfallhäufungsstellen (auch auf Landesstraßen)
      o Stärkung des Rücksichtnahmeprinzips in der StVO

    Was wir vermissen: Geschwindigkeitsreduktion auf 10km/h vor Zebrastreifen.

    • Vertiefende Ausbildung der LKW-Fahrerinnen und -fahrer im Rahmen der Berufskraftfahrer-Aus- und -Weiterbildung hinsichtlich „Verkehrssicherheit und toter Winkel“

    o Bewusstseinsbildungsmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen von Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern betreffend „Toter Winkel“
    o Prüfung einer Förderung für Nachrüstung von Abbiegeassistenten
    o Ausstattung von ASFINAG-Parkplätzen mit Einrichtungen zur korrekten Ausrichtung der Spiegel von LKWs sowie Kontaktaufnahme und gemeinsame Evaluierung mit den Mineralölfirmen, ob die Einrichtung solcher Plätze auch bei Tankstellen möglich ist.

    Bedeutet das, dass die verpflichtende Aufrüstung mit Abbiegeassistenten nicht früher als von der EU vorgesehen kommt?

    • Radpaket und Zufußgehen – Offensive für aktive, sanfte Mobilität:
      o Eigene Organisationseinheit für Fahrradfahren, Zufußgehen und Barrierefreiheit im BMVIT durch Reorganisation der bestehenden Ressourcen
    • Attraktivierung des Fußgängerverkehrs
      o Weiterentwicklung und Umsetzung des „Masterplans Gehen“ zur Förderung des Fußgängerverkehrs
      o Fußgängerverkehr bei Gestaltung rechtlicher Rahmenbedingungen der Verkehrsorganisation wie der StVO und bei Gestaltung des Straßenraums stärker berücksichtigen

    Wir wünschen uns: ein Umbau einer Straße muss eine Verbesserung für aktive Mobilität bringen!

    o Verstärkte Förderung von Investitionen im Fußgängerverkehr

    Ja, denn die Zu Fuß Gehenden sind die größte Gruppe aller Verkehrsteilnehmenden in Österreich. Diese sollte zuerst bedacht und verstärkt beglückt werden.
    Außerdem: Barrierefreiheit für Zu Fuß Gehende!
    Mehr Querungsmöglichkeiten für Zu Fuß Gehende!

    o Förderschiene Mobilitätsmanagement ausbauen
    o Anpassung der Kriterien für Klimaförderungen aus Bundesmitteln, damit auch Infrastruktur für den Fußverkehr förderungswürdig wird (klimaaktiv)

    Unbedingt. Denn noch sind sie es nicht!

    o Infrastrukturentscheidungen sollen die Planung und Errichtung begleitender und vernetzender Fuß- und Radwege berücksichtigen

    Ja – immer.
    Ein Umbau einer Straße muss eine Verbesserung für aktive Mobilität bringen.

    o Der Unterausschuss Radverkehr des BMVIT wird um die Agenden des Fußverkehrs erweitert

    Ja, finden wir wichtig und richtig, dass Radverkehr gemeinsam mit Fußverkehr gedacht wird – und nicht gegeneinander ausgespielt wird. Fraglich ist, ob derart viele Agenden bei den Treffen durchgebracht werden können?

    e-scooter am Gehsteig oder Radweg?

    Die Mobilität in der Stadt wird immer vielfältiger. Menschen nutzen Fahrräder, Öffis, Autos und gehen zu Fuß. Vermehrt sind neben Rollern auch E-Scooter im Stadtgebiet unterwegs. Diese sind eine für die Mobilitätswende und die Wahlfreiheit bei der Mobilität begrüßenswerte Alternative. Wichtig ist jedoch die passende Nutzweise der Roller bzw. E-Scooter je nach Bauart. Der neue Trend veranschaulicht auch, wie dringend notwendig eine faire Verteilung des öffentlichen Raums für die unterschiedlichen Mobilitätsarten ist.

    In einem gemeinsamen Grundsatzpapier erläutern die FußgängerInnenlobbys Walk-Space & geht-doch und die Radlobby Österreich ihre Position zur Nutzweise von Rollern und E-Scootern.

    Fazit

    • Wir begrüßen die Schaffung von Mobilitätsalternativen als ein Mittel zur Erreichung der Mobilitätswende.
    • Wir fordern eine klare Unterscheidung und Differenzierung in der Behandlung von muskelbetriebenen und elektrisch betriebenen Verkehrsmitteln.
    • E-Scooter (< 25 km/h, < 600 W) ähneln vom Geschwindigkeitsprofil her Fahrrädern – es ist naheliegend, dass E-Scooter auf Radfahranlagen unterwegs sein sollen.
    • Die Fahrradinfrastruktur ist entsprechend dem neuen Nutzungsdruck und in Hinblick auf nationale und kommunale Zielsetzungen großzügig auszubauen.
    • Der Ausbau der Fahrradinfrastruktur darf nicht auf Kosten von Fußverkehrsflächen passieren.
    • Der Gehsteig ist oft der letzte Rückzugsort für Fußgehende. Schrittgeschwindigkeit ist hier das Maß der Dinge.
    • RollerfahrerInnen haben sich auf Gehsteigen der Fußgehergeschwindigkeit anzupassen.
    • Gehsteige sind mindestens in Regelbreite auszuführen und von (neuen) Hindernissen freizuhalten (Verkehrsschilder, Schaltkästen, E-Ladesäulen, abgestellte Leih-E-Scooter, etc.).
    • Die Regeln für gesetzeskonformes Abstellen von Rollern und E-Scootern sind zu kommunizieren und zu exekutieren.
    • Fußverkehrsflächen sind im Sinne eines „design for all“ (barrierefrei, seniorInnentauglich) zu optimieren (Oberflächengestaltung, Querungsstellen, Sichtbeziehungen).
    • Motorisierte Spaß- oder Transportgeräte (E-Scooter, sonstige motorisierte Kleinfahrzeuge oder fahrzeugähnliches Spielzeug) haben nichts auf Fußverkehrsflächen verloren.
    • Wir empfehlen die Aufnahme von E-Scootern als eigene Fahrzeug-Kategorie in die Verkehrsunfallstatistik, um deren Unfallgeschehen von Unfällen mit Fahrrad- bzw. fahrzeugähnlicher (Kinder-)Spielzeug-Beteiligung unterscheiden zu können.

    Hier gehts zum ausführlichen Positionspapier.