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DI. Marina Mohr

Verkehrs- und Infrastrukturplanung

WARUM ist dir das Zu Fuß Gehen so wichtig? 

Für mich ist Zu-Fuß-Gehen die ursprünglichste, gerechteste und menschlichste Art, sich fortzubewegen. Beim Gehen wird die Stadt lebendig, es fördert Begegnungen, und ist gut für Gesundheit, Klima und Gemeinschaft. Wenn ich zu Fuß unterwegs bin, nehme ich meine Umgebung bewusst wahr, spüre den Rhythmus der Stadt und fühle mich als Teil des öffentlichen Raums.

WELCHES Erlebnis war richtungsweisend für dich und das Zu Fuß Gehen?

Meine Kindheit in einem kleinen Dorf in Tirol. Fast alles wurde zu Fuß erledigt – besonders der tägliche Schulweg. Mit Freund:innen unterwegs zu sein, ohne Erwachsene, ohne Auto, selbstständig und sicher – das hat mir Freiheit, Orientierung und Selbstvertrauen gegeben. Diese Erfahrung prägt mich bis heute und bestärkt mich darin, dass selbstständige Mobilität für Kinder enorm wichtig ist.

WO gehst du am liebsten zu Fuß?

Am liebsten bewege ich mich zu Fuß durch lebendige Stadtviertel – durch Räume, die für Menschen gemacht sind und nicht für den Autoverkehr. Viertel mit Bäumen, Plätzen, Cafés und kurzen Wegen zeigen, wie Stadt funktionieren kann. Ein Straßenraum mit niedrigen Geschwindigkeiten und wenig Flächen für den Autoverkehr, und viel Platz für Aufenthalt, Begegnung und Beschattung schafft Lebensqualität. Solche Quartiere machen deutlich: Gute Stadtplanung fördert das Gehen, stärkt soziale Beziehungen und setzt Prioritäten zugunsten der Menschen.

WAS sind deine wichtigsten Wege, die du gern zu Fuß zurücklegst?

Wenn ich bewusst durch mein verkehrsberuhigtes Wohnviertel gehe, entstehen ganz von selbst Kontakte und Begegnungen mit meinen Nachbarn. Unsere autofreie Straße durch das Quartier schafft dafür einen geschützten Raum und lädt zum Innehalten und zum Austausch ein. Oft ist das Gehen für mich ein Weg, Zeit, Muße und Aufmerksamkeit ganz bewusst zu erleben.

WELCHES Buch findest du leiwand, dass das Zu Fuß Gehen thematisiert? 

Ich lese gerade Lob des Gehens von David Le Breton. In seinem Essay beschreibt er das Gehen als weit mehr als eine bloße Form der Fortbewegung. Er zeigt, dass Gehen eng mit Denken, Wahrnehmen und dem bewussten Dasein in der Welt verbunden ist. Dabei wird deutlich, wie stark dieses Unterwegssein von sinnlichen Eindrücken geprägt ist – von Geräuschen, Gerüchen, Momenten der Stille und zufälligen Begegnungen. Gehen eröffnet Räume für Freiheit, Entschleunigung und schafft Möglichkeiten zur inneren Reflexion.

WORAUF sollte sich Geht-Doch vor allem fokussieren?

Geht-Doch sollte sich auf sichere, barrierefreie und attraktive Bedingungen für das Zu-Fuß-Gehen konzentrieren. Entscheidend ist, dass die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen – und nicht jene des Autoverkehrs.

Ich erlebe, wie sehr eine Verschiebung der Prioritäten hin zu mehr Raum für Aufenthalt, Begegnung und Beschattung die Lebensqualität im öffentlichen Raum verbessert. Während in neuen Stadtquartieren bereits oft autofrei oder autoarm geplant wird, sehe ich die größte Herausforderung in der bestehenden Stadt, die nach wie vor stark vom fahrenden und parkenden Autoverkehr geprägt ist.

Aus meiner Sicht fördert gute Stadtplanung das Gehen, stärkt soziale Beziehungen und setzt klare Prioritäten zugunsten der Menschen. Breite Gehsteige, sichere Querungen, Verkehrsberuhigung und kurze Wege sind dafür zentrale Voraussetzungen. Zu-Fuß-Gehen muss als gleichwertige Mobilitätsform anerkannt und in Planung, Gestaltung und politischen Entscheidungen konsequent und selbstverständlich mitgedacht werden.