Platz ist ein kostbares Gut

besonders in der Stadt.

Jahrzehntelang wurde Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und dem öffentlichen Verkehr weggenommen, was eigentlich für sie gedacht war. Es wurde dem Auto zugeschlagen. Aus Gehsteigen wurden Parkplätze, aus Straßenbahnlinien wurden vierspurige Schnellstraßen. Bäume wurden gekappt für mehr Stellplätze. Gehsteige wurden weiter verkleinert für Schrägparkplätze am Gehsteig. Schulwege wurden gefährlich.

Nun muss das Auto diesen Platz sukzessive wieder zurückgeben. Die Zeit des Autos ist vorbei. Die leisen Stimmen derer, die nicht in den Schlagzeilen der Zeitungen landen, weil sie wohlwollend diesen Maßnahmen zustimmen, werden zunehmend hörbar. Nicht immer sind alle Leute polternd dagegen, wenn ein Parkplatz in einen Radweg umgewandelt wird und damit wieder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird. Nicht immer sind alle Leute dagegen, wenn ein Gehsteig mit Ohrwascheln ausgestattet wird, anstatt als Parkplatz verwendet zu werden. Nicht immer sind alle dagegen, wenn der Öffentliche Raum der Allgemeinheit zu Gute kommt, anstatt als Autospur zu dienen.

Es tut sich was – in unserer Stadt. Die leisen Stimmen werden lauter. Sie machen sich hörbar in Initiativen wie #PlatzfürWien. Eine Stadt ist nur lebens- und liebenswert, wenn ihre Straßen & Plätze wieder zu Orten der Begegnung werden. Wenn Kinder selbstständig ihren Schulweg zurücklegen können, ohne Elterntaxi. Wenn Eltern ihre Kinder – mit gutem Gefühl – alleine hinausschicken können. Wenn wir eine kindergerechte, eine klimagerechte und eine menschengerechte Stadt haben.
(Anregungen dazu von Bernhard Odehnal)

Aktion: Gehsteig-Rallye

Die 1.Gehsteigrallye fand Freitags im 3.Bezirk statt.
Super, dass ihr alle mitgemacht habt – Kinder, Eltern, ParkbesucherInnen, PensionistInnen, SchülerInnen – ihr wart große Klasse! Kann man an all den Fotos erkennen.

Warum haben wir das gemeinsam mit Platz für Wien gemacht?
Als Fußgänger*innen haben wir oft wirklich Schwierigkeiten, am Gehsteig Sicherheitsabstände einzuhalten, mit Kinderwägen unterwegs zu sein, mit dem Rollator zu gehen.

Wir sammelten dazu #WorstofGehsteig Fotos.
Einer der wichtigsten Faktoren für enge Gehsteigsituationen sind schrägparkende Autos. In allen Bezirken gibt es Beispiele dafür – wo vormals eigentlich zumindest 2m breite Gehsteige vorhanden waren, die durch eine Parkraumbewirtschaftung zu Kosten der FußgängerInnen, drastisch verkleinert wurden. Wo ursprünglich zwei Autos längs parkten, konnten durch diese gefinkelte Maßnahme nun plötzlich fünf Autos schräg parken. Dass der Gehsteig nur mehr halb so groß war, schien niemanden zu stören. Wurde achselzuckend zur Kenntnis genommen. Bis jetzt.

Nun aber wird das von mehr und mehr Menschen ganz grundsätzlich in Frage gestellt und so nicht mehr akzeptiert. Wieviel Platz wollen Fußgänger*innen in Wien haben? Wieviel Platz soll es für aktive Mobilität (also das Zu Fuß Gehen und Rad Fahre) geben? Platz für Wien hat dazu einen Maßnahmenpaket für die Wiener Stadtregierung und die kommenden 10 Jahre ausgearbeitet.

Jedenfalls bekamen wir die meisten #WorstofGehsteig Fotos aus dem 3.Bezirk zugesandt. Damit stand fest: dort findet die Rallye statt.

In verschiedenen, wechselnden Alltagssituationen mussten die Teilnehmer*innen ihre Geschicklichkeit, ihre Schnelligkeit und ihren Stil unter Beweis stellen, selbst dann, wenn der Gehsteig schlicht zu schmal war, um dort sicher durchzukommen. Der Ehrgeiz war entfacht, und so gings rasant zu Fuß um den Park.

Lustig wars, wenn man Alltagssituationen aus dem normalen Kontext enthebt. Im Alltag sind 1,5m breite zugeparkte Gehsteige alles andere als lustig. Wir Menschen brauchen Platz – es ist an der Zeit, die Schrägparkplätze in Längsparkplätze umzuwidmen.

geht-doch bei den City Talks

Die City-Talks Reihe wird von A city made by people in Amsterdam organisiert  und online abgehalten (in Englisch). Diesmal geht es darum unsere Mobilität nach Covid19 zu diskutieren und da ist geht-doch natürlich mit dabei und setzt sich auch international für die Anliegen und Bedürfnisse von zu Fuß Gehenden ein!

Die offizielle Beschreibung lautet:

„CITY TALKS is an ongoing series of online Live Q&A [Anm. Questions and Answers] featuring initiatives and topics from cities within our network.How will we cycle and walk in the new normal? How can we make more space for people to move comfortably in our cities? We’ve invited 3 initiatives that are working on these challenges due to the effects of the COVID-19 Corona measures.“

Schaltet euch dazu und stellt eure Fragen!

Link zur Teilnahme: https://www.acitymadebypeople.com/city-talks

Physical Distance aber Social Caring

Ein Plädoyer

Sprache ist tückisch, sie droht oft ein einseitiges Bild zu zeichnen. Deshalb plädiere ich für einen sorgsameren Umgang mit Sprache und letztendlich für einen wertschätzenderen Umgang mit sozialer Interaktion in Zeiten von COVID19 und danach.

„Social Distancing“, wie es von Anfang an von Seiten der Regierung eingefordert und auch von vielen Menschen praktiziert wurde, ist ein irreführender Begriff.

Ich selbst habe versucht mich so gut wie möglich daran zu halten.
Ich habe meine Sozialkontakte zurückgeschraubt – und zwar drastisch, als jemand der normalerweise ein sehr vielfältiges Sozialleben pflegt.

Anfänglich war es noch irgendwie aufregend über diverse Telekommunikationsapplikationen mit Freunden und Familie auf der ganzen Welt zu plaudern. Doch die Begeisterung daran schwand von Woche zu Woche. Und die Sehnsucht nach „echten“ Sozialkontakten stieg.

Doch aus geglaubtem Mangel an Alternativen zog ich mich immer mehr in mich selbst zurück. Während draußen die Sonne einen wunderbar warmen Frühling einläutete und dieser von unzähligen Familien im Park genossen wurde, fühlte ich mich zusehends isoliert – und damit stehe ich nicht alleine da.

Soziale Interaktion ist essentiell für unser Wohlbefinden und in vielen Fällen bekommen wir davon derzeit nur ein absolutes Minimum. Der Entzug von menschlicher Nähe hat in den letzten Wochen extreme Ausmaße angenommen – viele sind an der Schwelle des Verkraftbaren und das ist zutiefst menschlich.

Psychische Gesundheit, Bewegungsmangel, häusliche Gewalt

Stress, Frust, Schlafmangel – Symptome, die jeder von uns kennen dürfte, doch unter den derzeitigen Ausgangsbeschränkungen kommen diese häufiger vor und können schnell auch bedrohliche Auswirkungen annehmen.[1+2]  Wenn unzählige Menschen in Depressionen schlittern, oder zunehmend ihren Frust und Unmut in häuslicher Gewalt kanalisieren, müssen die die Alarmglocken schrillen.[3+4]. 

Welche Kollateralschäden müssen wir als Gesellschaft hinnehmen?
Die psychischen und physischen Auswirkungen, die das propagierte Social Distancing mit sich bringt – und zwar voraussichtlich längerfristig – müssen gesehen und gehört werden.

Deshalb nun mein Plädoyer: Fangen wir an das Social Distancing als Physical Distancing zu begreifen. Abstand halten ist eine sinnvolle Maßnahme, die jeder ergreifen kann. Soziale Nähe ist aber genauso lebenswichtig.[5]

Weg von Social Distancing hin zu rein physischem Abstandhalten während Social-Caring

Der Entzug von menschlicher Nähe führt zu geistiger und sozialer Verarmung.[6] Dagegen möchte ich nun tätig werden.

Aus stadtplanerischer Sicht ist das Thema des Physical Distancing eine richtungsweisende Herausforderung. Seit Wochen sehen wir so klar wie noch nie: der öffentliche Raum in unseren Ballungsräumen ist nicht nur knappes und somit kostbares Gut, er ist auch irrsinnig unfair verteilt.

Menschen, die durch die Straßen spazieren sind vielerorts gezwungen, auf die Fahrbahn auszuweichen, da ein Begegnen unter Einhaltung des Mindestabstandes von einem Meter – besser jedoch 2m – selten möglich ist.

Zu Fuß Gehende und Radfahrende spüren am eigenen Leib, wie knapp der Abstand zueinander manchmal wird, weil ihnen einfach nicht genügend Raum zugestanden wird. Die Stadt Wien hat zwar sehr spät reagiert, aber immerhin seit Ostern einige Straßenzüge für die gesündesten Formen der Mobilität (Anm. „Aktive Mobilität“) geöffnet. Es ist ein Anfang.

Wenn wir davon ausgehen, dass #PhysicalDistancing auch für Post-Corona Zeiten ein Credo bleiben wird, brauchen wir eine flächendeckende Ausweitung dieser Maßnahmen.

Zusätzlich freuen wir uns auf kreative Lösungen, wie wir der sozialen Verarmung entgegenwirken können, ja vielmehr wieder wertvolle zwischenmenschliche Interaktion fördern können – trotz des notwendigen Abstandhaltens.

Eine solche Idee nimmt mit #socialspots gerade Formen an. Bleibt gespannt. Damit wird nämlich aus #SocialDistancing ein #Social Caring mit #PhysicalDistancing und das ist weitaus besser.

Außerdem: Du wünscht dir mehr Platz zum Gehen, Verweilen, Radfahren und Spielen im öffentlichen Raum in Wien? Dann unterzeichne hier: #platzfürwien

Hilfs-Hotlines in Zeiten psychischer Belastungen:
142 (Notruf), täglich 0–24 Uhr

Weitere: https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/betroffene/krisentelefonnummern

[1] https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/isolation-coronavirus-social-distancing-folgen

[2] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30460-8/fulltext#seccestitle40

[3] https://www.nytimes.com/2020/04/06/world/coronavirus-domestic-violence.html

[4] https://orf.at/stories/3160714/

[5] https://www.schmid-schmid.at/blog/aktuelles/physical-distancing-statt-social-distancing

[6] https://www.addendum.org/coronavirus/podcast-corona-alltagsgeschichten/#ep22

Schmale Gehsteige? Wir wollen ein Foto davon!

Wer hat sich nicht schon über die Enge von Gehsteigen geärgert? Oder dass sie mit Hindernissen verstellt sind, die dort nichts verloren haben (Halteverbotstafeln, E-Tankstationen usw.)? Schick uns jetzt ein Foto davon – und wandle deinen Ärger in Aktionismus.

Fahrspuren und Parkstreifen haben festgelegte Breiten. Was dann noch vom Straßenraum übrig bleibt, wird zum Gehsteig. Dabei gehen fast alle Wiener*innen zu Fuß; und sei es auch nur bis zum Auto!

Was bislang ärgerlich und hinderlich war, wird in Zeiten von Corona zur Gefahr. Viele Menschen warten vor den Geschäften am Gehsteig. Abstandhalten ist auf schmalen Gehsteigen unmöglich. 38 Prozent der Wiener Gehsteige haben eine Breite von weniger als zwei Meter. Das muss sich ändern! Und zwar nicht irgendwann, sondern sofort!

Wir wollen deinen Ärger in Aktionismus umwandeln:

  1. Schick ein Foto an uns: foto@geht-doch.wien, oder
  2. auf der HP im Kontaktformular (hier weiter unten), oder
  3. per social media mittels Hashtags #LieblingsEngstelle, #WorstOfGehsteig, #ZuSchmal, #PlatzFürWien
  4. Unterzeichne  die Forderungen von #PlatzFürWien – und erzähle davon weiter!Wir sammeln alle Fotos, die bis Ende Mai 2020 eingelangt sind, und wenden uns damit an die verantwortlichen Stellen auf Gemeinde- und Bezirksebene.



Alle gesammelten Fotos findest du hier auf „worst-of-Gehsteig“.

Straßenraum will neu gedacht werden! Wir wollen Druck aufbauen, damit sich endlich etwas ändert und der Straßenraum gerechter und demokratischer verteilt wird.

Zu Fuß Gehen im Regierungsprogramm von Schwarz-Grün

geht-doch.wien hat im letzten Jourfixe das Regierungsprogramm von Schwarz-Grün unter die Lupe genommen:

Fazit:
Ambitioniert – nona – und wichtig wären noch konkretere Maßnahmen.
In Kursiv das Programm, darunter unsere Kommentare.

  • Der Rad und Fußgängerverkehr nimmt stetig an Bedeutung zu. Dieser positive Trend muss weiterhin unterstützt und gestärkt werden.
    Selbstverständlich, sehen wir auch so.
  • Evaluierung der StVO auf Benachteiligungen des Radfahrens und Zufußgehens:
    o Abbau von rechtlichen Barrieren zum Wohle des sicheren Radfahrens sowie Zufußgehens
    o Ermöglichung von Temporeduktionen in Ortskernen und vor Schulen sowie an Unfallhäufungsstellen (auch auf Landesstraßen)
    o Stärkung des Rücksichtnahmeprinzips in der StVO

Was wir vermissen: Geschwindigkeitsreduktion auf 10km/h vor Zebrastreifen.

  • Vertiefende Ausbildung der LKW-Fahrerinnen und -fahrer im Rahmen der Berufskraftfahrer-Aus- und -Weiterbildung hinsichtlich „Verkehrssicherheit und toter Winkel“

o Bewusstseinsbildungsmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen von Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern betreffend „Toter Winkel“
o Prüfung einer Förderung für Nachrüstung von Abbiegeassistenten
o Ausstattung von ASFINAG-Parkplätzen mit Einrichtungen zur korrekten Ausrichtung der Spiegel von LKWs sowie Kontaktaufnahme und gemeinsame Evaluierung mit den Mineralölfirmen, ob die Einrichtung solcher Plätze auch bei Tankstellen möglich ist.

Bedeutet das, dass die verpflichtende Aufrüstung mit Abbiegeassistenten nicht früher als von der EU vorgesehen kommt?

  • Radpaket und Zufußgehen – Offensive für aktive, sanfte Mobilität:
    o Eigene Organisationseinheit für Fahrradfahren, Zufußgehen und Barrierefreiheit im BMVIT durch Reorganisation der bestehenden Ressourcen
  • Attraktivierung des Fußgängerverkehrs
    o Weiterentwicklung und Umsetzung des „Masterplans Gehen“ zur Förderung des Fußgängerverkehrs
    o Fußgängerverkehr bei Gestaltung rechtlicher Rahmenbedingungen der Verkehrsorganisation wie der StVO und bei Gestaltung des Straßenraums stärker berücksichtigen

Wir wünschen uns: ein Umbau einer Straße muss eine Verbesserung für aktive Mobilität bringen!

o Verstärkte Förderung von Investitionen im Fußgängerverkehr

Ja, denn die Zu Fuß Gehenden sind die größte Gruppe aller Verkehrsteilnehmenden in Österreich. Diese sollte zuerst bedacht und verstärkt beglückt werden.
Außerdem: Barrierefreiheit für Zu Fuß Gehende!
Mehr Querungsmöglichkeiten für Zu Fuß Gehende!

o Förderschiene Mobilitätsmanagement ausbauen
o Anpassung der Kriterien für Klimaförderungen aus Bundesmitteln, damit auch Infrastruktur für den Fußverkehr förderungswürdig wird (klimaaktiv)

Unbedingt. Denn noch sind sie es nicht!

o Infrastrukturentscheidungen sollen die Planung und Errichtung begleitender und vernetzender Fuß- und Radwege berücksichtigen

Ja – immer.
Ein Umbau einer Straße muss eine Verbesserung für aktive Mobilität bringen.

o Der Unterausschuss Radverkehr des BMVIT wird um die Agenden des Fußverkehrs erweitert

Ja, finden wir wichtig und richtig, dass Radverkehr gemeinsam mit Fußverkehr gedacht wird – und nicht gegeneinander ausgespielt wird. Fraglich ist, ob derart viele Agenden bei den Treffen durchgebracht werden können?

e-scooter am Gehsteig oder Radweg?

Die Mobilität in der Stadt wird immer vielfältiger. Menschen nutzen Fahrräder, Öffis, Autos und gehen zu Fuß. Vermehrt sind neben Rollern auch E-Scooter im Stadtgebiet unterwegs. Diese sind eine für die Mobilitätswende und die Wahlfreiheit bei der Mobilität begrüßenswerte Alternative. Wichtig ist jedoch die passende Nutzweise der Roller bzw. E-Scooter je nach Bauart. Der neue Trend veranschaulicht auch, wie dringend notwendig eine faire Verteilung des öffentlichen Raums für die unterschiedlichen Mobilitätsarten ist.

In einem gemeinsamen Grundsatzpapier erläutern die FußgängerInnenlobbys Walk-Space & geht-doch und die Radlobby Österreich ihre Position zur Nutzweise von Rollern und E-Scootern.

Fazit

  • Wir begrüßen die Schaffung von Mobilitätsalternativen als ein Mittel zur Erreichung der Mobilitätswende.
  • Wir fordern eine klare Unterscheidung und Differenzierung in der Behandlung von muskelbetriebenen und elektrisch betriebenen Verkehrsmitteln.
  • E-Scooter (< 25 km/h, < 600 W) ähneln vom Geschwindigkeitsprofil her Fahrrädern – es ist naheliegend, dass E-Scooter auf Radfahranlagen unterwegs sein sollen.
  • Die Fahrradinfrastruktur ist entsprechend dem neuen Nutzungsdruck und in Hinblick auf nationale und kommunale Zielsetzungen großzügig auszubauen.
  • Der Ausbau der Fahrradinfrastruktur darf nicht auf Kosten von Fußverkehrsflächen passieren.
  • Der Gehsteig ist oft der letzte Rückzugsort für Fußgehende. Schrittgeschwindigkeit ist hier das Maß der Dinge.
  • RollerfahrerInnen haben sich auf Gehsteigen der Fußgehergeschwindigkeit anzupassen.
  • Gehsteige sind mindestens in Regelbreite auszuführen und von (neuen) Hindernissen freizuhalten (Verkehrsschilder, Schaltkästen, E-Ladesäulen, abgestellte Leih-E-Scooter, etc.).
  • Die Regeln für gesetzeskonformes Abstellen von Rollern und E-Scootern sind zu kommunizieren und zu exekutieren.
  • Fußverkehrsflächen sind im Sinne eines „design for all“ (barrierefrei, seniorInnentauglich) zu optimieren (Oberflächengestaltung, Querungsstellen, Sichtbeziehungen).
  • Motorisierte Spaß- oder Transportgeräte (E-Scooter, sonstige motorisierte Kleinfahrzeuge oder fahrzeugähnliches Spielzeug) haben nichts auf Fußverkehrsflächen verloren.
  • Wir empfehlen die Aufnahme von E-Scootern als eigene Fahrzeug-Kategorie in die Verkehrsunfallstatistik, um deren Unfallgeschehen von Unfällen mit Fahrrad- bzw. fahrzeugähnlicher (Kinder-)Spielzeug-Beteiligung unterscheiden zu können.

Hier gehts zum ausführlichen Positionspapier.

Warum wir die Petition „Leben retten im toten Winkel“ ins Leben gerufen haben.

Der öffentliche Aufschrei war da. Schon wieder ein tragischer Unfall, der einem das Herz bricht, schon wieder ein Unfall der vermieden hätte werden können.

geht-doch.wien mit Ulrich, Guntram und mir, die Radlobby – wir alle waren am Ort des Unfalls, und ergriffen von dieser Anteilnahme und von diesem Schicksal. Wir alle wollten etwas tun. Wir bereiteten eine erste emotionale Petition vor. „LKWs – raus aus der Stadt“ – dann kam der Anruf von Helge. Und das Einsehen, dass es eine klare, headline-starke Forderung geben müsste – die auch umsetzbar ist.

Und dann war sie da – die Petition „Leben retten im toten Winkel“ und online! Hast du schon unterschrieben?
Ich hatte nicht mit diesem Lauffeuer gerechnet, Nach 2 Tagen bereits 20.000 Unterschriften. So viele Menschen, die nicht einsehen wollen, dass in den nächsten Jahren nochmals an die 84 Menschen sterben müssen, bis eine EU-weite Richtlinie auch bei uns umgesetzt wird.
Es bedarf einer einfachen Verordnung des Verkehrsministers – darum richten wir unseren Appell auch direkt an ihn.  Herr Hofer, setzen sie folgende Forderungen um:

1. Verpflichtende Nachrüstung von elektronischen Abbiegeassistenten für alle Nutzfahrzeuge auf nationaler Ebene zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Ein Abbiegeassistent mit automatischer Bremsfunktion schützt Menschen zu Fuß und am Rad, die sich beim Abbiegen im toten Winkel des LKWs befinden.

2. Druck auf die EU-Kommission, damit die geplante Einbau-Verpflichtung vorgezogen (derzeit ab 2024 vorgesehen), sowie auf alte LKWs erweitert wird (Nachrüstung). Einsetzen für Standards, die niedrigere Fahrerkabinen mit besserer Rundum-Sicht vorschreiben.

3. Sofortige Nachrüstung des Fuhrparks der öffentlichen Hand durch elektronische Abbiegeassistenten.

4. Durchfahrtsbeschränkungen für ausländische LKWs ohne solche Abbiegeassistenten. Dies ist nach einem neuen Rechtsgutachten mit EU-Recht vereinbar [3].

Der tote Winkel ist nicht erst seit einer Woche ein Problem. Die Politik braucht mehr Mut zu unpopulären Entscheidungen und zu einer neuen, frischen Sichtweise auf den motorisierten Verkehr: nicht die Kinder, die Menschen sollen sich dem motorisierten Verkehr anpassen. Wir wollen Öffentlichen Raum, der kindergerecht sein soll, der menschengerecht sein soll.

Kinder sollen selbstständig – und ohne Furcht – aktive Verkehrsteilnehmer sein können. Kinder sind Radfahrerinnen und Fußgänger von morgen – wir werden sie als solche brauchen!

Und dafür ist diese Petition der erste Schritt. Wenn du noch nicht unterschrieben hast, dann mach das doch bitte jetzt.

[1] https://wien.orf.at/news/stories/2961843/
[2] https://udv.de/de/medien/mitteilungen/lkw-abbiegeassistent-gegen-radfahrerunfaelle
[3] https://www.stefan-gelbhaar.de/app/download/8969579576/Rechtsgutachten%20Einf%C3%BChrung%20von%20LKW-Abbiegesystemen.pdf?t=1548238155

Kurz-url zur Petition: bit.ly/abbiegeassistent

Ich wünsch mir eine kindgerechte Stadt – ohne Lastwägen.

Es ist bedrückend an der Kreuzung zu stehen, an der gestern zur selben Zeit ein Kind von einem abbiegenden LKW getötet worden ist.
Es ist fast noch bedrückender, zu wissen, dass es in Wien hunderte ähnliche Kreuzungen gibt, an denen soetwas jederzeit wieder passieren kann.

Und doch – bleibt neben der Trauer, Wut und Lähmung, dass eben niemand im Straßenraum davor gefeit ist ein Fragezeichen. Warum muss es diese tonnenschweren Laster in der Stadt geben? Warum kann ich meine Kinder nicht in Sicherheit wissen, wenn sie im Straßenraum eh alles richtig machen und bei grün über den Zebrastreifen gehen? Wie sieht eine kindgerechte Stadt, eine menschengerechte Stadt aus?

Haben dort große LKWs eigentlich etwas verloren?
Warum gibt es nicht die Möglichkeit, dass diese riesigen Lastwägen nur auf Hauptverkehrsstrecken fahren und Verladestationen ansteuern, wo dann auf kleine elektrische Zulieferautos oder Lastenfahrräder umsortiert wird? Weniger gesundheitsgefährdender Feinstaub, weniger CO2 Belastung, weniger Lärm, weniger Platzverbrauch in der Stadt – vor allem aber weniger Gefährdung. Das ist möglich – wir müssen nur bereit sein für neue innerstädtische Logistikkonzepte.(1)

Aber auch Tempo30 für LKWs und Reisebusse wäre eine notwendige Maßnahme.

        

In den letzten zwei Monaten verunglückten in Wien drei Menschen tödlich, zwei jeweils bei grün am Zebrastreifen durch rechts abbiegende LKWs. Gestern war es ein neunjähriges Kind. Die Betroffenheit und Anteilnahme ist groß.

Ich frage mich, wie ich meine zwei Kinder zu selbstständigen und aktiven Verkehrsteilnehmern “empowern” kann? Viele Eltern erzählen mir, sie würden aus Sicherheitsdenken heraus ihre Kinder lieber im Auto im Straßenverkehr herumkutschieren, als sie der gefühlten Gefahr auszusetzen. Was verständlich klingen mag, ist gesellschaftlich jedoch die absolut falsche Konsequenz. Wenn Lastwagen Kinder töten, sollen nicht Kinder von der Straße verschwinden, sondern die LKWs.(2)

Wenn Elterntaxis Kinder am Weg zur Schule gefährden, soll es eine autofreie Zone zumindest vor der Schule zumindest vor Unterrichtsbeginn geben, Wege zu Kindergärten sollen zumindest verkehrsberuhigt sein, mit verbreiterten Gehsteigen zum Kindergarten.

So sieht eine kindergerechte Stadt, eine smart City wie Wien sie sein will, nämlich aus.

(1) Siehe: http://www.taz.de/!5512393/

(2)  LKW und Busse waren in Österreich an 40% der tödlichen Fußgeher- und  Radfahrerunfälle zwischen 2012 bis 2017 beteiligt.

 

 

 

Petition für freie Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang

oder: Wien – die Stadt der Parkbänke – Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang. Tatsächlich?

Unterzeichne unsere Petition für freie Sitzplätze ohne Konsumzwang.

In Wien finden sich in drei von zehn Straßen Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang. Deutlich weniger, als in drei anderen untersuchten Städten (Rotterdam – mit 8 von 10Straßen, Kopenhagen – mit 5 von 10, München – mit 5 von 10 Straßen). Das unterstreicht eine aktuelle Studie der Universität für Bodenkultur in Wien. („Potentiale von Alltagsstraßen – Wiener Querschnitt im internationalen Kontext“ ila, 2017.)

Über die genaue Anzahl der Sitzgelegenheiten in Wien, wissen nur die zuständigen Stellen der MA42 Bescheid – und zwar ausschließlich für alle Parkanlagen. Wieviele Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang es tatsächlich in Wien gibt? – Darüber herrscht großes Schweigen.
Wieviele Bänke es rund um den Ring gibt? – das bestgehütetste Geheimnis Wiens.

Mit unserer Petition “für freie Sitzplätze ohne Konsumzwang” versuchen wir nicht bloß das Geheimnis zu lüften, sondern fordern wir alle 300 Meter eine Sitzgelegenheit auf den Straßen Wiens ein. 300 Meter entspricht der Gehdistanz in 10 Minuten von einer mobilitätseingeschränkten Person. (1)

Ältere Menschen, Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung betrifft es ebenso wie Schwangere und Menschen, die mit Kleinkindern unterwegs sind. Sie brauchen öfter eine Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Ein nettes Plätzchen, das zum Verweilen einlädt – gratis, wo nichts konsumiert werden muss. Wege, die sonst zu lange und anstrengend erscheinen, werden durch Sitzgelegenheiten wieder attraktiv und einladend gemacht. Das schafft Lebensqualität, und regt zum bewussten Zu Fuß Gehen an.

Dafür setzen sich geht-doch.wien und viele aktive Wienerinnen & Wiener ein, die unsere Petition bereits unterschrieben haben.

Hier kann online unterschrieben werden. (Handysignatur oder Bürgerkarte notwendig). Oder offline unterschrieben – mittels ausgedruckter Petition, an uns zurück geschickt.

(1) Durch die Sitzgelegenheit darf keine Engstelle auf dem Gehsteig entstehen, die Mindestgehsteigbreite von zwei Metern muss erhalten bleiben.